Sonntag, 6. Juni 2010

Neue Bilder statt Text...

Sault Ste Marie, ON - North Dakota - Winnpeg, ON - BritishColumbia - Carlifornien

Sonntag, 4. April 2010

The rest…?

Da ich erst am nächsten Morgen Termin hatte, verzichtete ich darauf mich schon abends auf den Firmenhof zu stellen und versuchte es mit einem Nap auf einer Tankstelle kurz vor dem Kunden. Dann stand ich am nächsten Morgen da mit meinem Talent. An ein Tor zu kommen ging schnell aber das Entladen? 9! Stunden! brauchten die Leute um meinen Trailer leer zu machen! 9 Stunden für keine 53 sondern nur 48 Füße Ladung. Da ist mir bald der Hut weggeflogen! Da es „etwas“ länger gedauert hat habe ich bis zum nächsten Morgen wenigstens 50$ Entschädigung von der Firma zugesprochen bekommen. Ich meine ist doch nett, man verliert einen Tag mit einem möglichen Verdienst von bis zu 200 Dollar und bekommt 50$. Naja, besser als Nichts und das Gejammert kennt ihr ja nun schon ausreichend. Somit habe ich also am nächsten Tag in Quebec bei Bonduelle das Zartgemüse in der Dose geladen und dann ging es ab Richtung Hof.

Da ich ja nun so lange in Montreal, QC rumgestanden habe, was mich wieder Geld gekostet hat, habe ich von dort aus gleich in der Firma angerufen, dass ich das Wochenende durchfahren kann/“möchte“, denn irgendwie muss man die Kohlen ja wieder reinholen. Aufregen bringt nichts und vielleicht schaffe ich es ja irgendwann, Canadier zu werden. Wenn ich den Tag rum stehe dann denke ich daran, was ich hätte verdienen können. Der Canadier ist froh, dass er 50$ bekommt… Mein Glas ist was das angeht halt eher halb leer als halb voll. Dieses hat damit zu tun, dass wir hier keine helfende Familie haben, dass Sandra auch arbeiten gehen kann, was hier üblich ist. Es gibt nichts geschenkt und wir haben hier auch kein Elternhaus oder das Privileg eines Kredites oder so. Der Canadier kann sein Auto auf 40 Jahre finanzieren, kann sein Konto überziehen, zahlt 5% Anzahlung beim Hauskauf etc. Und wie erwähnt arbeiten in der Regel beide. Wir haben keinen Kredit, kein Elternhaus und selbst Kindergeld bekommt man hier erst nach 18 Monaten. Somit leben wir ausschließlich von dem was ich verdiene und da macht es einen großen Unterschied ob ich 200$ oder 50$ verdiene. Dazu kommt, ich bin den Tag ja auch nicht zu hause und das ärgert mich am meisten!!!

Also wieder ein Tag ohne Geld verdient zu haben und trotzdem nicht im Kreise der Familie und um das wieder zu kompensieren kann ich das Wochenende wieder durchfahren, was mich erneut von der Familie und den Kinder fern hält. Irgendwie ist Auswandern gar nichts so einfach, wenn es nicht mit gefüllten Taschen macht. Ein Bekannter hat nach seinem Urlaub in Canada an mich geschrieben, wir hätten und ein schönes Land zum Leben ausgesucht. Das stimmt, als Urlaubsland spitze, aber wenn man hier richtig leben und sesshaft werden will ist es auch anstrengend. Aber ich will nicht jammern, ich möchte nur sagen wie es ist. Wenn ich mit einem dicken Sparkonto hier angekommen wäre würde ich euch darüber schreiben wie es beim Kauf unserer Autos war, bei Bau des Hauses und Anlegen des Gartens. Diese Blogs gibt es sicher auch, aber wenn ihr wissen wollte, wie sich ein ganz normaler Mensch/Trucker ohne großes Habe mit seiner Familie versucht in Canada ein Leben aufzubauen, dann Herzlich Willkommen in meinem täglichen Wahnsinn!

Von den Dosenmachern bin ich dann also am Hof vorbei gefahren und dann nach Drummond, NB um wieder neu zu laden. Hier gab es am nächsten Tag Kartoffeln und während ich so beladen wurde versuchte ich noch einmal heraus zu bekommen, warum mein Auto beim Bremsen nach Öl stank. Als ich ein Stück vorgezogen hatte bemerkte ich es, dass aus der Innenseite der vorderen Antriebsachse Öl leckte. Die Achsdichtung war durch, dieses Mal also auf dieser Seite. Ich sagte in der Firma Bescheid, dass ich vor meiner Abfahrt nach North Carolina noch in die Werkstatt müsse und dann fuhr ich zum Wiegen. Leider war ich zu leicht und ich fuhr noch einmal zum Kunden um 3000lb mehr zu laden. Da der Versende es gut meinte, hat er mir über 4000lb mehr drauf geladen und damit kratzt ich mit viertel vollem Tank an meiner Gewichtsgrenze. Aber noch einmal zurück fahren um nun wieder Kartoffel ab zu laden war mir zu blöde. Ich setzt mich in Bewegung in Richtung Hof und schaltete vorher noch den Reefer ein. 55°F sollte er laufen. Naja, wie das Schicksal so will, sprang er nicht an und ich meldete auch gleich noch den Reefer zur Reparatur in der Werkstatt an. Also heute war wieder eine dieser Tage, wo man am Besten liegen bleibt.

Die Zeit der Reparatur verbrachte ich wieder zu hause mit Duschen und Essen. Dann rief Tom an, dass meine Karre fit und der Reefer am laufen sei und ich konnte los. Alle noch einmal gedrückt und los ging’s. Bis Kittery, ME bin ich dann noch gefahren, denn dort ist direkt vor der Tankstelle eine schicke neue Waage und da haben sie mich bis jetzt jedes Mal rausgezogen. Um nichts zu riskieren für ich ohne zu tanken da runter und als ich an der Waage, die heute mal zu war, vorbei war fuhr ich zum Truck stop und machte alles randvoll. Die nächste Waage war theoretisch in Sudbury, MD? oder Sunbury, MD? Bis dahin wäre ich also schon wieder gut halb leer. In Plainfield, CT blieb ich zur Nacht stehen und machte mich am nächsten Morgen auf den Weg weiter nach Süden. Unterwegs gingen einmal zwei gelbe Motorwarnlampen im Cockpit an und das war auch das spannendste der Fahrt. Okay, ich bin wieder über diese lange Chesapeak Bay Bridge Tunnel Geschichte gefahren aber die kannte ich ja nun schon…

Die Nacht verbrachte ich dann auf dem Hof meines Kunden und dort wurde ich dann frühst entladen. Es war die selbe Bude bei der ich vor kurzem ausladen sollte. Damals hatte ich doch die falsche Adresse (was mich schon drei Anläufe kostete diese Bude zu finden) und musste dann wieder hoch nach Elisabeth City, NC wo Opa und Torsten abgeladen hatten. Naja, heute war ich richtig und wurde leer gemacht. Dann bekam ich meine Rückladung, zu laden in Smithfield, VA. Ich hatte jetzt schon beim Starten des Motors die gelben Warnlampen leuchten, obwohl sie gestern nur einmal ganz kurz an waren. Jetzt brannten sie die ganze Zeit. Zur Sicherheit rief ich in der Firma an aber und Chef-Mokel Richard hatte wieder den totalen Durchblick! Ich sagte ihm welche Lampen leuchteten und er meinte ich sollte eine Regeneration durchführen. Also quasi den Auspuff ausbrennen, was aber per Knopfdruck geht. Dieses war jedoch nicht nötig, da nicht die Warnlampen leuchteten die sagen man solle eine manuelle Regeneration machen, sondern andere. Wenn das nicht hilft sollte ich zu einem Händler fahren. Da der ahnungslose Ausländer es aber gar nicht probierte, denn das war definitiv nicht das Problem, wollte ich abwarten. Das Richi immer meint man wäre blöd…

Noch bevor ich den Motor nach einer erneuten Sichtkontrolle und der Überprüfung sämtlicher Flüssigkeitsstände an ließ, hatte ich eine neue Load offer mit einer Adresse in Smithfield, NC. Das klang besser, denn bei der ersten handelte es sich um frisches Schwein und das ist dann immer so ein Zirkus an der Grenze. Also machte ich mich auf den Weg zu meiner neuen Ladestelle und unterwegs passierte es. Ladung gekanzelt, bitte nicht weiterfahren. Ich fuhr weiter zum nächsten Truck stop und ließ meinen Trailer auswaschen während die sich Gedanken machen konnten, wo ich denn nun laden sollte. So ein hin und her…!

Da es recht sommerlich warm war hatte ich meine Woodlandhose an. Also eine Trekkinghose bei der man in zwei verschiedenen Längen die Hosenbeine durch Reißverschluss kürzen konnte in der Tarnfarbe der US-Armee. Da ich nicht genug Geld hatte um den heute mal völlig überteuerten Wash out zu zahlen musste ich noch in den an die Waschhalle angrenzenden Truck stop um Kohle zu holen und was meint ihr was da auf dem Truck stop stand…? Genau, ungefähr 40 Armeefahrzeug und noch viel mehr Soldaten. Einziger Unterschied zu mir war, dass diese Jungs alle in Wüstentarn rumliefen und somit fiel ich in meinem Woodland und dem Olivgrünen Bundeswehr T-Shirt zwar auf, aber es war eindeutig, dass ich nicht zu dieser Einheit gehörte. Was die sich gedacht haben, keine Ahnung aber mir war es fast ein wenig unangenehm… Aber es hatte keiner irgendeine Bemerkung oder so gemacht, also alles ganz easy und das ich dann in den Lauf eine Knarre guckte war auch keine Absicht. Nein wirklich, ich ging über den Parkplatz zurück zur Waschhalle um zu zahlen und ging an einem der Armeetrucks vorbei, in dem vorne einer bei offener Tür saß. Als ich zu ihm hoch sah schaute ich genau in seinen Lauf, denn er war gerade dabei seine Büchse zu wienern. Ein etwas komisches Gefühl…

Dann zahlte ich meine Schuld und hatte nun den Auftrag nach Greenville, NC zu fahren um dort zu laden. Erst bekam ich eine Free form message mit einer Adresse: Martin Luther King Jr. Hwy. Dann folgte die Load offer mit der Adresse: North West. Okay, North West war für mich jetzt eine so bescheuerte Ortsangabe wie die, dass einer im Advertiser Runde 4x4 Heuballen verkaufte. Aber ich tippte beides ins Navi ein. North West Acres gab es und den MLK Jr. Drive. Laut PC-Miler unserer Street map und Berechnungsgrundlage für unser Gehalt, gab es nur die MLK Jr. Street. Also war schon komisch und irgendwie passte es alles nicht wirklich. Aber ich versuchte bei beidem mein Glück. Erst beim MLK Jr. Drive, was jedoch mitten in der Innenstadt lag und dann bei North West Acres, was sich als Slam herausstellte. Mit der Angst, dass hier noch während der Fahrt die Felgen abgebaut werden machte ich mich wieder auf den Weg Richtung Stadt um mein Glück dort noch einmal zu versuchen. Es dauerte zwei Stunden dann war ich durch damit. Ich hatte irgendwann völlig sauer in die Firma reingeschrieben ich bräuchte die richtige Adresse und wolle Geld sehen für dieses Theater. Ich bekam zur Antwort, Geld wir in 10 Minuten bearbeitet aber keine Adresse oder Ähnliches. Also eierte ich noch einmal darum und sendete dann noch einmal rein, dass ich stinkig sei und mich irgendwo hinstelle und darauf warte bis die Firma mir sagen kann, wo es hin geht.

Bevor jetzt jemand meint ich stelle mich zu blöde an, es ist wie immer alles nur halb so schlimm aber zur Rush hour halte ich nicht in einer Kleinstadt auf der Straße an um nach dem Weg zu fragen, das kann hier teuer werden und kein Trucker konnte mir per CB weiterhelfen. Also kam eine Antwort aus der Firma. Erst eine dämliche, was nicht anders zu erwarten war und dann ein Hinweis auf den Highway 264. Das war etwas, damit konnte man arbeiten und siehe da, als ich diesen vor mir hatte, stand auf einem kleinen, neuen Schild: Martin Luther King Jr. Hwy. Jetzt musste ich mich nur noch für eine Richtung entscheiden und dieses Mal machte ich es richtig. Keinen Kilometer weiter lag rechts der riesige Komplex einer Pillenfirma. Rauf aufs Gelände, beim Wachmann angemeldet und dann ran ans Tor. Die Beladung ging schnell und als das erledigt war machte ich mich mit Pillen für über 200.000$ Warenwert auf den Weg. Die Pillen habe ich abgeliefert und meine nächste Ladung bekommen…

Es folgten eine Zeit zu hause mit der Familie und ein Autokauf. Wir haben einen neuen Rasenmäher und den alten, abgebrannten an einen jungen, canadischen Soldaten verkauft. Ich meine, der kleine Flitzer sprang nach dem Abdichten einer Spritleitung ohne zu Murren an. Etwas Luft aus den Reifen und einmal mit nem Tuch drüber, sah aus wie neu… Wenn man von dem verschmurgelten Aufkleber auf der Auspuffseite mal aussieht. Das können aber auch die heißen Abgase gewesen sein. Der „neue“ ist ein Automaticmäher, den vielleicht ja auch die Mädels fahren können. Mit dem Autokauf hat auch alles geklappt. Ich habe von einem alten Canadier einen 1976 Chevrolet gekauft. Der Preis lag ungefähr da, wo der eines 1992 Golf 2 ohne TÜV liegt. Er ist nicht bestens lackiert, sieht aber gut aus und fährt wie ein Schlachtschiff. Über 5 Liter Hubraum sind zwar viel, aber er soll ja nur sonntags mal gefahren werden oder wenn ich mal dringen raus muss, bzw. Sandra mit dem Van weg ist. Im Gegensatz zu unserem 2003 Van hat er die neue Inspection, die man mir auf Grund des alters zum Anmelden abgenötigt hat, ohne Fehler bestanden. Tja, alte, solide, überdimensionierte, amerikanische Arbeit… Ach ja, zum Mitschreiben für die deutschen Behörden. Da es sich um ein Auto handelt, das älter als 15 Jahre ist, bezahle ich nur 18$! Steuern im Jahr und das ohne Umweltzone!

Amelie und Leonie haben ihre neuen Zeugnisse und wir sind sehr zufrieden mit ihnen. Amelie ist eine von zwei Schülern die etwas aufschreiben können und hinterher auch wissen was da steht und Leonie glänzt mir Erzähleifer. Sandra hat mir eine Geschichte aufgeschrieben die Leonie einfach so erzählt hat, auf Englisch. Es ist eine Geschichte mit einem Anfang einem Hauptteil, einem Ende, die flüssig erzählt wurde, aus dem Kopf heraus und zudem sogar Sinn machte. Ich habe die tollsten Kinder der Welt!!!

Erik ist dabei den Boden in kreisenden Bewegungen zu putzen und wenn es so weitergeht, dann läuft er im Sommer… naja, wir wollen mal sehen. Er ist auf alle Fälle so ein Süßer und kann jetzt sogar essen. Brei, Matschekram und Schlabberkekse. Jetzt sind wir schon fünf am Tisch. Manoman wie die Zeit vergeht. Das zweite Ostern mit der Familie rückt näher. Letztes Jahr gab es Schnee und dieses Jahr scheinen es nach nun doch noch einmal 10 centimetern Schnee in den letzten Tagen (oder besser an einem dann war er weg) sonnig zu werden. Sonnenschein und 20°C plus. Da habe ich dann Zeit im Warmen die Beanstandungen an unserem Van in Ordnung zu bringen. Samstag ist ein ganz normaler Arbeitstag und Montag auch. Daher kann ich alles was ich brauche kaufen. Außerdem werden wir den Schneepflugtruck evtl. auch noch fertig machen, denn bald steht ein Umzug an und da ist eine Ladefläche sehr wichtig.

Ihr merkt ich schreibe ein wenig aus dem Kopf über nun dieses und jenes, denn es gibt nicht mehr viel zu erzählen. Ihr habt uns oder mich oder alle nun über ein Jahr begleitet und auch wenn ich mich jetzt wiederhole, es wir langsam langweilig und ich beginne mich zu wiederholen. Ihr kennt die meisten meiner Strecken, die Terminverschiebungen, die bescheidene Arbeit der Dispatcher und das Durcheinander in der Firma, für die ich fahre. Meistens komme ich jetzt später los, wie auch andere Fahrer, weil der Werkstatt noch einfällt dieses und jenes zu machen und seit es die Waschhalle gibt, geht es mit den Serviceterminen und den Zuständen der Trailer bergab. Naja, dafür macht sich die Waschhalle wohl bezahlt und dass die Fahrer sauer sind und die Werkstatt ihre Arbeit nicht mehr richtig machen kann steht hinten an. Was soll’s… Ich bin gerade von Richard gelobt worden. Ich sei schon fast ein richtiger Canadier, zumindest was die Unzuverlässigkeit beim Ausfüllen der Repair sheets angeht. Ob das ein Kompliment ist? Ich sehe es so, denn ich möchte mich ja integrieren…

Was soll ich euch noch sagen. Ich habe jetzt so lange nichts mehr geschrieben, dass es schwierig wird alles zu rekonstruieren und irgendwie so wie dort oben beschrieben war die letzte Zeit. Die nächste Zeit wird bestimmt genauso und die danach auch. In Deutschland geht alles einen Gang und hier auch. Ach ja, ich bin seit einiger Zeit so eine Art Nichtraucher… Mal sehen wie das weitergeht… und zu guter Letzt, am 06.04.2010 hole ich Jürgen vom Flughafen ab. Im Schlepp ist Speedy, ein Mensch den ich noch nicht kenn aber ich habe schon viel von ihm gehört und auch einmal oder zweimal was gelesen. Ich bin gespannt, freue mich, wünsche allen ein frohes Osterfest, dicke Eier und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Danke, bis dann, auf bald…

Euer Wieland

Montag, 29. März 2010

Wegen derzeitigem Zeitmangel...

Aus Zeitgründen habe ich jetzt nur mal eben ein paar "neue" Bilder reingestellt...

Siehe: Etwas für's Auge...

Neuer Ordner


Mit freundlichen Grüßen...



Der Autor

Donnerstag, 18. März 2010

Bridge over troubled water…

Ich hatte fünf Ladestellen, die ich eine nach der anderen abfuhr und dann ging es nach Fredericton, NB. Hier blieb ich über Nacht stehen und dann ging es zurück zum Hof. Noch nicht ganz den Truck verlassen bat man mich diesen noch eben nach Hartland, NB in die Werkstatt zu bringen und einen anderen Truck zur Firma zu holen. Da ich ein guter Mensch bin, habe ich dass natürlich getan. Ist es eigentlich wirklich so, dass man, wenn man Dinge oft genug wiederholt daran glaubt??? Egal, zurück am Hof sammelte Sandra mich ein und dann ging es nach Hause wo Steuerunterlagen zusammengestellt wurden. Anschließend ins Bett und dann wieder zurück zur Firma. Ja, wer Pause will muss zu hause bleiben…

Also brachte Sandra mich nach einem Anruf zur Firma. Ich solle sofort kommen…, hieß es um 08.00 Uhr. Ich vertröstete auf 09.00 Uhr und als ich ankam bat man mich einen Truck nach Hartland, NB zu fahren und von dort meinen mitzunehmen. Damit dann nach Woodstock, NB zur Waschhalle, wo ein sauberer und desinfizierter Trailer darauf warten sollte, von mir zum Beladen gebracht zu werden. Soweit so gut… Der Trailer war nur gerade erst reingeholt worden und somit konnte es dauern. Also rief ich Sandra an und wir trafen uns in Woodstock, NB um einen Steuerberater aufzusuchen. Eigentlich sollte ich ja dabei sein, aber da die Firma drückte passte es dann mit der Wartezeit doch nicht überein. Also setzte ich mich bald darauf wieder mit dem Truck in Bewegung, fuhr zur Waschhalle und hatte nun, 4 Stunden nachdem die Firma mich angerufen hatte und von Eile quakte, meinen Trailer. Er sah zwar immer noch nicht wirklich sauber aus, aber das war mir jetzt auch egal. Ich hatte ein Zertifikat wo sauber und desinfiziert drauf stand und dass sollte reichen. Jetzt ging es nach Florenceville, NB, wo ich wiegen und laden sollte. Während ich auf der Waage stand kam eine neue laod offer. Ich sollte jetzt nicht mehr in Florenceville NB laden, sondern in Upper Brighton, NB laden. Da mir das jetzt nicht so viel sachte, rief ich in der Firma an. Die konnten mir aber auch nichts Genaues mitteilen und somit versuchte ich mein Glück. Einziges Indiz das ich hatte, waren die Wortfetzen, die ich aus dem Gespräch mit Ralph glaubte verstanden zu haben. Ein Gespräch mit Ralph ist ungefähr so ergiebig wie eines mit einem Urbayern…, vom Dialekt her meine ich.

Ich will die ganzen Strecken jetzt nicht aufzählen, aber… Ich fuhr also knapp 2 Stunden ( im Umkreis von 20 Kilometern) und einige Telefonate später zurück zur Firma und stellte meinen Truck ab. Dann ging ich ins Dispatch office und „bat“ um eine Wegbeschreibung. Da man mir wohl eine leichte Angespanntheit anmerkte, kümmerte man sich, während ich mir einen Kaffee holte. Dann reichte man mir den Telefonhörer und ich konnte mich mit einem Menschen verabreden. Dieser holte mich kurz darauf in der Nähe unseres Hofes ab und brachte mich zur Ladestelle. An dieser war ich heute vor einiger Zeit schon einmal vorbei gefahren, aber leider gab es weder ein Schild noch sonst einen Hinweis. Also konnte ich jetzt zum Laden den Hügel rauf und da eröffnete man mir, dass sie gar nicht genug Kartoffeln hätten und ich müsse dann wieder zum Wiegen und würde den Rest der Ladung woanders bekommen. Also es gibt Tage, da wäre ich einfach lieber zu hause geblieben…!

Nach 3 Stunden Kartoffeln laden war der Trailer voll und man meinte sogar, es könne vielleicht reichen. Also fuhr ich wieder nach Florenceville, NB zum Wiegen und siehe da, es war tatsächlich genug. Jetzt musste ich nur noch eine knappe Stunde warten bis meine Papiere fertig waren und dann konnte es losgehen. Ich musste noch einmal am Hof vorbei um mir ein paar neue Bolt seals abzuholen und dann konnte es losgehen. Opa, der erst im Laufe des Tages reingekommen war hatte seinen vollen Trailer bereits abgeholt und wir wollten uns am nächsten Morgen in Bangor, ME treffen um gemeinsam weiter zu fahren. Somit rollte ich auch noch eben zu hause vorbei, duschte noch einmal, aß etwas und dann ging es los.

An der Grenze angekommen begann das nächste Theater. Mein ACE war auf Pantego, NC ausgestellt, die Papiere allerdings auf Elizabeth City, NC. Also durfte ich wieder mal warten und der Grenzer kümmerte sich. Nach einem Telefonat mit der Firma stellte sich heraus, dass der Hauptabnehmer in Elizabeth City, NC saß und meine Ladung aber in Pantego, NC abgeschmissen werden sollte. Somit machte ich mich erstmal auf den Weg nach Bangor, ME. Hier traf ich Opa noch auf einen kurzen Schnack und auch Torsten (oder mit „h“?) war hier. Die beiden hatten die selbe Abladestelle und ich musste ca. 70 Kilometer weiter. Also wollten wir alle gemeinsam den Rest des Weges beschreiten.

Am nächsten Morgen gestartet fuhren wir bis Kittery, ME, wo wir tanken wollten. Bis dahin konnte ich nur über 10/4 mit Opa sprechen, denn mein CB wollte nicht, was mich natürlich wieder stresste. In Kittery, ME stellten wir dann fest, dass ich auf dem falschen Kanal war… Na, so konnte es ja auch nicht klappen. Dann ging es weiter südwärts und wir plauderten nun über CB oder fuhren einfach gerade aus. In New York war schließlich Chaos. Es war ein wenig am schneien und das schien die Städter zu verunsichern. Außerdem gelangten wir mitten in den Feierabendverkehr und somit war Stau angesagt. Kurz vor der Georg Washington Bridge hatte sich ein Truck verabschiedet und blockierte eine Spur und im Bereich der Bronx-Unterführung wo sich der Verkehr aufteilt in Upper und Lower level, standen noch zwei Autos. Alles in allem kostete es uns gut zwei Stunden. Da New York eh der Horror ist hatten wir uns abgesprochen, dass jeder für sich kämpft und wir uns in Carneys Point, NJ zum neuen Tanken wiedertreffen.

Am Ende der Brücke ging es wieder zügiger voran und ich gab Gas. Linke Spur und ab dafür! Ich hatte das Gefühl es war etwas schmierig aber das konnte man noch gut ignorieren. Während alles mal wieder schlich machte ich den Gashahn auf und rauschte durch den Schnee zum Tankstop. Hier angekommen machte ich den Truck voll und wartete auf die anderen zwei, die kurz hinter mir waren. Opa meinte er wäre ein wenig ins rutschen gekommen und es wäre etwas glatt gewesen, bei der Brückenabfahrt. Okay, beim Aufstieg ist mein Truck auch zwei Mal durchgedreht, aber da habe ich mir nicht viel bei gedachte und bergab? Ich hatte da doch so ein Gefühl… Als ich letzte Woche den Ärger mit dem Trailer hatte und dem Übergewicht, da bin ich gerutscht aber hier jetzt? Vielleicht hatte ich ja mal wieder mehr Glück als Verstand. In Woodstock, NB letzte Woche hatte es etwas geschneit und als ich das erste Mal zur Waage fuhr sah ich wie am Berg zwischen Exit 185 und 188, wenn ich recht entsinne, die Auto unten vor der Brücke begannen zu bremsen. Da ich auf Glätte tippte, bremste ich oben schon einmal ab und dabei knickte der Zug gewaltig ein. Der Truck wollte eine Rechtskurve machen und der Trailer gerade aus. Das auf einer Bergkuppe, wenn es recht steil abwärts geht und unten eine Brücke wartet… - cooles Gefühl.

Aber egal, das war letzte Woche und nun war ja auch alles gut gegangen. Nach dem Tanken machten wir uns wieder auf den Weg und fuhren die 13 runter über Delaware, Maryland und nach Virginia in Richtung Chesapeake Bay Bridge Tunnel. Es stürmte und hier und da wurden unsere beladenen Trucks ganz schön geschüttelt. Ich erinnerte mich an die Brücke, die ich vor langer Zeit (ich berichtete) schon einmal gefahren war. Es war eine hohe Stahlkonstruktion und am Ende waren zwei Autos in einander gefahren und das eine war fast über die echt niedrige Betonbarriere, die Brücke und Höhenluft von Tiefe und Wasser trennte gefallen. Mit diesen Bildern im Kopf und dem Wind in der Seite des Trucks fuhr ich mit einem etwas mulmigen Gefühl der Brücke entgegen.

An der Auffahrt zur Brücke war eine Bezahlstation und vor dieser ein Parkplatz. Hier hielten wir an und machte eine kleine Infopause. Wir durften zwar unsere Fahrtzeit um 2 Stunden verlängern, wegen der Witterungs- und Verkehrsbedingungen in New York City, mussten aber bald stoppen. Opa und Torsten wollte noch gerne über die Brücke und ich hätte gerne bis zur totalen Flaute gewartet. Also stieg ich erstmal aus und ging zu dem Mann in dem Auto mit dem Blinklicht auf dem Dach. Ein paar Trucks standen hier schon und Autos hielten an um ihre Fahrräder auf dem Dach hinzu legen oder das Gepäck ganz vom Dach zu holen. Es war toll, wenn die schon bei Autos so einen Stress machen…, vielleicht war die Brücke ja gesperrt? Ich klopfte also an die Tür von dem Wagen und das Fenster ging runter. Nach dem „Hallo, wie geht’s“ kam ich gleich zum Wesentlichen. Leider konnte mir der nette Kerl auch nicht sagen ob die Brücke nun auf oder zu ist. Er berichtete nur, dass vor ein paar Wochen ein Truck von der Brücke geweht wurde. Nicht ganz, nur die Zugmaschine, der Trailer war noch auf der Fahrbahn. Den Fahrer konnten sie dann aus der über dem Wasserabgrund hängenden Fahrerhaus retten. Es ging ihm nicht so gut… - welch Wunder! Mir ging es jetzt auch nicht gut…
Die einzige Möglichkeit war nun, an die Bezahlstelle zu fahren und dort zu fragen ob wir rüber dürfen oder nicht. Da die anderen beiden nicht von ihrem Vorhaben abzubringen waren, bat ich sie Sandra Grüße auszurichten, falls ich derjenige welcher sein sollte und dann fuhren wir los.

An der Bezahlstelle dauerte es ein wenig bis Opa, der nun die Vorhut bildete, durch war. Er blieb ein wenig weiter stehen und ich folgte. Vielleicht hatten sie die Brücke ja doch gesperrt? Die Dame in der Hütte fragte mich nach meinen Gewichten und wollte die Ladepapiere sehen. Mit einem Gewicht von knapp 40t war es mir dann auch erlaubt zu passieren und die Fahrt konnte, nachdem auch Torsten es geschafft hatte, weitergehen. Wie sich dann heraus stellte war es a gar nicht so windig hier wie angenommen und b gab es wohl zwei Bay-Brücken, denn diese hier kannte ich noch nicht. Sie begann mit einer Auffahrt und flachte dann recht schnell ab. Der Rest der Strecke ging dann auf einer Stelzenkonstruktion etwas 6-10? Meter über dem Wasser weiter, bis ein Tunnel kam. Nach dem Tunnel kam wieder ein Stück Brücke und dann wieder ein Tunnel. Anschließend kam noch einmal ein Stück Brücke und dann? Richtig, Ende der Konstruktion. Es war nur halb so windig wie erwartet aber trotzdem war es spannend, ca. 30 Kilometer bei dem Wind so flach über dem Meer zu fahren. Im Mondschein schäumte die Gischt auf den sich auftürmenden Wellen und das Schwarz der See war tief und Angst einflößend. Ein tolles Erlebnis unter den Bedingungen.

Auf der anderen Seite fuhren wir noch ein Stückchen und machten dann Pause. Am Morgen startete ich als Erster, denn meine Abladestelle lag noch ca. 70 Kilometer hinter der der anderen. Also machte ich mich auf den Weg und versuchte meinen Kunden zu finden. Die erste Adresse war ein Privathaus und nachdem ich mich an einer Tankstelle erkundigt hatte, war ich schlauer. Nach 20 Kilometern zum Wenden kam ich an der richtigen Einfahrt an und drehte auf den Hof. Hier war ich aber dann auch falsch und musste zu einer anderen Farm. Um es kurz zu machen, bei der war ich dann auch falsch und als ich dann bei der richtigen Farm war stellte sich heraus, dass es die falsche war!!! Ich musste dort abladen, wo Opa und Torsten auch abgeladen hatten. Es handelte sich um die Adresse, die auf meinen Ladepapieren stand und wegen der ich an der Grenze schon hängen geblieben war. Ein Glück, dass hier keiner eine Ahnung hat…! Als ich dort also ankam waren Opa und Torsten schon wieder unterwegs und mir blieb nach dem Abladen nur auf den nächsten Tag zu warten, denn für eine Ladung für mich, war es heute zu spät…!

Nach einer langen, ruhigen Nacht in North Carolina machte ich mich an die letzten paar Meter zu meiner Ladestelle nach Virginia Beach, VA. Hier dockte ich an und wartete nun auf mein Beladensein. Einer der Angestellten dort (wirkliche Funktion unbekannt) kam zu mir und wollte ein Gespräch… „Das wird wohl ein großes Spiel heute, für USA und Canada…“ „Jaja, es soll viel Schnee kommen, die Nacht…“, war meine Antwort. Kopfschüttelnd zog der Arme ab. Ein anderer Fahrer mit dem ich am schnacken war schüttelte auch den Kopf… Wer kann denn auch ahnen, dass der nicht von dem angekündigten Schnee redet, sondern von einem Eishockeyspiel!? Habe ich Zeit für Olympia, oder was? Naja, erklären konnte ich mich nicht mehr und zum Glück war es nur ein Ami. Ein Canadier hätte mich wahrscheinlich gleich ins nächste Flugzeug gesetzt, denn Eishockey ist hier Nationalsport und so wichtig wie in Deutschland Fußball, Formel-1 und Tennis zusammen. Wer hier wohnt und davon keine Ahnung hat, wird nie auch nur im Ansatz Canadisch sein…

Irgendwann kam der Kerl mit seiner Triefnase wieder und versuchte es nun mit einem neuen Ansatz. Klar, wenn ich den Truck einer Canadischen Firma fahre und auf sein Eishockeyding nicht eingehe, kann ich nur ein Ausländer sein. Also die obligatorische Frage: „Wo kommst denn her, Mann…“ Werde ich in der Regel für einen Frosch aus Quebec gehalten, hätte ich das Ding mit dem Hockey trotzdem begreifen müssen, also musste ich von weiter weg sein. Jaja, Quebec ist die einzige rein französische Provinz hier oben und dass ist etwas, was selbst Dorfies hier zum Teil wissen. Also jeder der nicht englisch spricht ist erstmal aus Quebec und wenn nicht daher, dann von woanders.

Ich erzählte ihm, dass ich aus Deutschland komme. Als guter Amerikaner verdüsterte sich seine Miene ein wenig. Ich war also ein „Nazikind“… Nirgendwo treffe ich auf diese vornehme Zurückhaltung Deutschen gegenüber, wie hier in den Vereinigten Staaten. Er richtete sich dann mit dem Gespräch an meinen Kollegen neben mir, einen Canadier und gab mir durch Ignorieren zu verstehen, dass er nichts mit „solchen Leuten“ zu tun haben wollte. Er erzählte, dass er damals in den 60ern oder waren es die 70er in Deutschland gewesen sei. Er war stolz auf die Befreiung die sie geleistet hatten und tat seinen Teil dazu, dass es nicht noch einmal vorkam, dass ein Volk unterdrück, gedemütigt, verfolgt und getötet würde. Im selben Atemzug erzählte er dann aber auch wie schön es damals noch auf der Armeebase in Deutschland war, denn in den Pups konnte man Abends in Ruhe sitzen, denn „Nigger“ waren dort nicht gestatten und die Weißen konnten unter sich sein… Also irgendwie…? Ich meine die Wasserspenderhirne hier bringen mich immer wieder zum Nachdenken.

Ich will nicht politisieren, aber hat der gerade gesagt er war stolz darauf die Juden vor der Verfolgung, Ermordung und Unterdrückung durch das Naziregimes befreit zu haben und genieße seine Zeit im Pup ohne „Nigger“…? Ich weiß, es gab ich zweiten Weltkrieg eine amerikanische Fliegereinheit von Schwarzen. Es sollte ein Feldversuch sein um heraus zu finden, ob der „dumme Schwarze“ überhaupt in der Lage war, die Komplexität des Fliegens zu begreifen. Keiner hatte es ihnen damals zugetraut und sie sind für ihre Überzeugung durch die Hölle gegangen. Nicht durch die Hölle des Krieges in Europa, sondern durch die Hölle der rassistischen weißen Armee und Regierung der USA. In einer Zeit, in der es Schwarzen mal gerade gestattet war Land zu besitzen aber nicht mit weißen in eine Schule zu gehen. Wo sie den Bildungseinrichtungen fern gehalten wurden und es kein Verbrechen war einen Schwarzen zusammen zu schlagen oder auch zu töten, da setzten sich diese jungen Leute durch. Gegen die Schmach, das Gelächter und Geläster der Weißen, gegen Schläge, Rückschläge, Intrigen und Verrat, für ihre Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind. Zum Kriegsende hin waren sie eine anerkannte und mehrfach ausgezeichnete Staffel, die von vielen geschätzt wurde! Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, schenkte ich dem blonden und blauäugigen Amerikaner ein müdes Lächeln und ging in meinen Truck…

Als ich beladen war machte ich mich auf den Weg nach Norden. Irgendwo auf der I-87 kamen heimische Gefühle in mir auf. Ich fuhr so meinen Weg und hatte links neben mir einen dieser Pkws, die einen mit 1 km/h mehr überholen. Rechts kam ein Zubringer und ich sah wie ein dicker, schwarzer BMW angerauscht kam. Bis zur Hälfte der Beschleunigungsspur fuhr er neben mir, dann bremste er ab um hinter mir einzuscheren. Die Amis kennen die Geschichte mit dem Ausnutzer der Beschleunigungsspur nicht so. Ich glaube das heißt hier auch anders…? Also normaler Weise gibt man dort ja Gas und sieht zu, dass man sich am Ende in den fließenden Verkehr einordnet. Die Amis fahren entweder gleich am Anfang auf die linke Spur oder bleiben stehen. Beschleunigen auf dem Beschleunigungsstreifen kennen die nicht! Wie in Europa, rechts am Truck vorbei beschleunigen und wenn es nicht passt vielleicht sogar noch ein Stück Pannenstreifen mitnehmen??? Gibt es hier nicht! Entweder gleich oder gar nicht. Manchmal fahren sie auch um etwa eine bis zwei Pkw-längen an einem vorbei und anstatt dann weiter zu beschleunigen und / oder rüber zu ziehen, kneifen sie den Schwanz ein, bremsen und rollen hinter einem auf die Interstate… Tja so sind sie, die Eroberer…!

Wie auch immer, der BMW tat es also allen gleich und schlappte hinter dem Truck auf die Mittelspur! Klar, rechts fahren ja die langsamen und die Beschleunigungsspur… Also musste der nachfolgende Verkehr erstmal für den BMW abbremsen, bis dieser das Gaspedal gefunden hatte und nun langsam vorwärts zog. Er schaffte es auf Höhe meines Fahrerhauses und siehe da, der schicke Typ im Wollmantel, schwarzes Haar, goldig braune Solariumhaut mit Antifaltencreme überfettig „gepflegt“ grinste mich mit einem Lächeln strahlend wie das Goldkettchen um den Hals an und zeigt mir einen Stinkefinger… - endlich zu hause…! Die Insassen scheinen sich hier nicht von denen in Europa zu unterscheiden, nur das die 750i dort schneller vorwärts kommen und eher drängeln und nötigen, als dass sie sich die Blöße geben neben einem Truck zu bremsen um hinter ihm einzuscheren… - wie peinlich! Aber ich will ja hier keine Vorurteile streuen, vor allem weil ich weiß, dass Opa in Deutschland auch gerne die PS-starken Bayern gefahren hat. Ist halt Geschmackssache – und den hat der Ami ja bekanntlich nicht unbedingt… - okay, unerlaubter Tiefschlag – 6 – setzen!

Zeit, was ist das?


Ich fuhr als dann über die Grenze nach Dorval, QC wo ich ausladen sollte. Da man meinen Termin auf morgenfrüh vorverlegt hatte, wollte ich doch schon mal sehen, ob man evtl. beim Kunden für die Nacht stehen bleiben konnte. Es war ein riesiges Frachtterminal am Flughafen und da konnte man nicht nur stehen bleiben, man konnte sogar 24/7 entladen werden. Also machte man mich leer und anschließend konnte ich auf die Flying J nach Vaudreuil, QC. Nicht wirklich, denn diese war überfüllt, aber nach vielen Versuchen schaffte ich es auf einen nahe gelegenen Walmart Parkplatz zu drehen, auf dem man offensichtlich keine Trucks haben wollte. Aber ich wollte schlafen… Okay, mein schlechtes Gewissen hielt mich wach und nach einigem Hin- und Herdrehen fuhr ich 4 Stunden später etwas gerädert wieder zur Flying J, wo ich nun auch einen Parkplatz fand. Zurück ins Bett und weiterschlafen. Dann schön duschen und sehen was kommt…

Es kamen zwei Ladestellen und eine Fahrt zum Hof. Hier stellte ich den Trailer ab, nahm meinen Truck und fuhr nach Hause. Der Abend war gelaufen aber ich brauchte eh ein Reset und somit blieb ich nun zwei Tage zu hause. Keine Sorge, ich hatte ausreichend zu tun, von der Steuer bis zur Autobesichtigung, vom Maklerbesuch zur Bank und Einkaufen nicht vergessen… Dann ging es am 04. März wieder runter nach Wood-Ridge, NJ, wo ich den Kunden dieses Mal sogar ohne Verfahren fand. Kurz schlafen und dann nach Gloucester, PA zum Laden. Da ich wusste, dass der Hafen Geld kostet, hielt ich bei einem Truckstop in Bordentown, NJ und besorgte mir noch Geld. Dann im Hafen angekommen, teilte man mir mit, dass ich für den zweiten Teil der Ladung noch in einen weiteren Hafen müsse. Auf dem Weg dorthin gab es aber keinen Truckstop mehr und somit blieb mir nur die Wahl zwischen Zeit verlieren auf der Suche nach einer Möglichkeit Geld über die Firma zu bekommen oder ich zahle drauf und hebe es mit Gebühren (die ich nicht erstattet bekomme, so 4,50-7,50$) von meinem Konto ab.

Kurz darauf saß ich im Truck und freute mich, dass ich mich jetzt nicht darüber ärgern musste, dass ich kein Geld besorgen konnte oder deshalb Umwege fahren musste. Nun ärgerte ich mich über mein Geld, dass ich für die Firma zahle! Hätte man mir vorher gesagt… aber das kennt ihr ja schon alles! Nach dem ich dann in Wilmington, DE die letzten 3 Paletten, von denen nicht einmal die Firma was wusste, geladen hatte, ging es die I-81 hoch und da hatte ich wieder ein Verkehr-Erlebnis. Nicht was ihr jetzt denkt… Ich fuhr so auf der linken Spur, wie man es halt macht und hatte vor mir einen kleinen Pick up. Vor uns auf dem Pannenstreifen stand einer mit Warnblinker und jetzt weiß ich auch warum man rüber moven soll, für die Liegengebliebenen. Die sind Geisteskrank, diese Spinner hier. Aus dem Stand ohne zu schauen oder mit dem Leben abgeschlossen, geht der Blinker links und der Typ zieht auf die Fahrbahn. Während der rote Pick up in einer Bremsstaubwolke verschwindet, ziehe ich in letzter Sekunde über den Pannenstreifen an dem Vollaffen vorbei! Also so was von bekloppt! Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt! …und die Krönung, der Spinner blieb dann rechts um ca. 200 Meter weiter (kein Scherz) wieder auf die Abbiegespur der Ausfahrt zu wechseln. Vielleicht wollte er wirklich sterben… - aber seine Mitfahrer?

Abends blieb ich dann in Corfu, NY und fuhr am nächsten Tag weiter nach Cambridge, ON zu unser aller Lieblingsbude. Da ich nicht nur die Blaubeeren im ersten Hafen geladen hatte, sondern noch die drei Paletten Nectarinen im zweiten, musste ich nun erst zum X-Dock. Hier erfuhr ich dann, dass ich einen anderen, beladenen Trailer bekommen sollte und eigentlich gleich los könne. Tja, leider hatte ich aber Hafen und Hafensänger bedingt nicht die Möglichkeit, da ja noch ein zweiter Kunde drauf war. Im Grunde hätte ich den erst machen können und meinen Trailer dann einfach hier abstellen, neuen nehmen und los… Da die Flachköppe im Dispatch aber mal wieder an ihrer „Ich verrate keinem was“ Strategie arbeiteten musste ich nun warten. Warten bis Kunde eins runter war, 4 Stunden. Dann ums Gebäude rum zu Nummer zwei, wo es noch einmal 2 Stunden dauerte, um 6 weitere Paletten abzuladen. Jetzt konnte ich mit 6 Stunden Verspätung, die echt nicht hätten sein müssen, starten.

Naja, es ist hier halt wie es ist und man kann sich nur wundern. Die Zeit heilt alle Wunden, bzw. wundere ich mich mit der Zeit immer weniger… Als ich meinen Trailer dann weg hatte und unter dem neuen stand, gab es noch die Papiere und los ging’s. Einmal schlafen und dann stand ich in Moncton, NB. Leer ging es zurück zur Washbay nach Woodstock, NB und auf dem Weg dorthin hatte ich schon meinen neuen Auftrag. Einmal wieder runter in die USA, nach Lebanon, PA. Alles kein Thema, Trailer an der Waschhalle abgestellt, nach Hause zum Duschen und Essen und dann wieder den neuen Trailer am Firmenhof abgeholt. Stressfrei über die Grenze gerauscht und dann in West Gardiner, ME ins Bett. Zur Zeit ist echt gut was zu tun und ich hoffe es bleit so… Am nächsten Tag bin ich dann runter nach Lebanon, PA und habe auf dem Weg dahin schon einmal angemerkt, dass meine US-Stunden zur Neige gehen. Ich konnte nur noch über Montreal, QC oder Toronto, ON raus. Da der Dispatcher mir wohl was Gutes tun wollte in dem er dafür sorgte, dass ich mein Reset zu hause machen konnte, gab er mir für den nächsten Tag eine Tour von Eddystone, PA nach Moncton, NB. Da hatten wir wohl an einander vorbei geredet, denn mir fehlten nur US-Stunden und mangels dieser war es mir kaum möglich über Houlton, ME rauszukommen. Wie durch ein Wunder habe ich es dann mit einer Übernachtung in Bangor, ME doch geschafft…

Da mein Dispatcher von einem Reset ausging, hatte er den Endladetermin auch so gelegt, dass ich locker meine 36 Stunden zu hause bleiben konnte, was ja eigentlich nicht not tat. Wie auch immer ich war früh zu hause und somit nutzten wir den Tag. Sandra fuhr einkaufen, die Kinder spielten im Sonnenschein und ich räumte die Lackierhalle auf. Dann zündete ich zwei Feuertonnen an und als Sandra zurück kam grillten wir in den Sonnenuntergang hinein. Als es dunkel war wurde es kälter und die Nachbarn haben uns bestimmt für bekloppt gehalten, aber es hat Spaß gemacht. Freitagmorgen sind Sandra und ich dann noch einmal losgewesen und haben uns ein Auto und einen „neuen“ Rasenmäher angesehen. Samstag habe ich dann einen Trailer nach Moncton, NB gefahren und dort an zwei Stellen ausgeladen und bin wieder zurück, noch mal grillen…

Sonntagabend ging es dann wieder raus nach West Gardiner, ME, zum Schlafen. Fast ausgeschlafen machte ich mich in der Frühe auf den Weg und rauschte die I-295 runter. Am Ende ist eine Zahlstelle und hier gilt „eigentlich“ 35mph. Vorher wird die Geschwindigkeit schon auf 50mph reduziert und aber in der Regel mache ich dort irgendwo auf dem Weg meinen Tempomat raus, lass rollen und bremse dann vor den Buden runter. Der schwarze Wagen in der Mitten der getrennten Spuren für beide Richtungen fiel mir zwar auf, aber mein Hirn war zu langsam – am frühen Morgen… Ich ahnte nichts Gutes aber versuchte mein Glück mit Weiterfahren. Es hätte auch fast geklappt…

Kurz nach der Durchfahrt gingen hinter mir Flackerlichter an, die mich aufforderten, rechts ran zu fahren. Okay, ich hatten den Tempomat schon raus, also kurz überschlagen… - ca. 55mph zu 35mph, macht etwa 30kmh zu viel = teuer und Punkte… Ein Officer mit orangem Regencape und Plastiküberzieher über dem Hut kam an mein Fenster. „Hallo, wie geht’s?“ „Danke gut, und selbst?“ „Och, ist okay. Darf ich mal Deinen Führerschein sehen?“ „Natürlich.“ „Du weißt, warum ich Dich gestoppt habe?“ „Ich denke ich war etwas schnell…“ „Ja, aber ich werde Dir so kein Ticket geben. Du bist mit 54mph gerade aus der 50mph-Zone gekommen und warst noch nicht lange im Bereich der 35mph. Das ist kein Problem aber bist Du schon einmal aufgefallen?“ Nein, bisher noch nicht.“ „Okay, wenn ich Deine Führerscheinnummer eingebe werde ich nichts finden?“ „Nein, wirklich nicht.“ „Einen Moment bitte…“ Dann kam er kurz darauf wieder, gab mir meinen Führerschein zurück, wünscht mir eine sichere Weiterfahrt und verabschiedete sich.

Man, wie cool war das denn. Ich glaube nicht, dass ein Trucker der in Deutschland mit 86kmh aus einer 80kmh-Zone kommt und mit dieser Geschwindigkeit dann auch noch in einer 55kmh-Zone weiterfährt, nur mit einer Führerscheinüberprüfung davon kommt, ganz sicher nicht…! Es war also nicht so, dass ich mit voll Speed auf die Bezahlstelle zugerauscht bin. Es war mehr als ausreichend Abstand und ich habe ja auch angefangen zu bremsen, aber erst ca. 400 Meter nach dem Schild und 300 Meter vor den Buden. Ich möchte nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht… Aber ich weiß auch, dass die Polizei in Übersee ganz gerne direkt an oder hinter solchen Geschwindigkeitsbegrenzungen steht und blitzt… Und dann ohne Wenn und Aber… - zumindest bei Einheimischen.

Ich war auf alle Fälle heil froh und dankbar und machte mich weiter auf den Weg. Erstmal ging es nach Wells, ME. Hier erklärte man mir, dass mein Termin erst morgen um 10.00 Uhr sei, aber ich hätte Glück und sie würden es heute nehmen. Das war schon der x-te Fehler in der letzten Zeit aus dem Dispatch. Keine Ahnung was da los ist…? Von dort aus habe ich mich dann auf den Weg gemacht nach Elizabeth, NJ, wo der zweite Teil der Ladung runter sollte. Sie wollte mich heute nicht mehr leer machen, da sie gleich Feierabend hatten und mein Termin erst morgen um 17.00 Uhr war. Ich solle es in der Früh um 06.00 Uhr versuchen. Man erlaubte mir auf dem Gelände stehen zu bleiben und somit zog ich die Vorhänge zu und schlief. Kurz vor Mitternacht klopfte es an die Tür. Ich war über die Zeit ein wenig verwundert und schaute hinaus. Hier „stand“ ein Securitymensch oder besser, er versuchte zu stehen. Schwankend und wild gestikulierend brabbelte er mich voll. Ich könne hier nicht stehen und müsse weg und … Ich reichte ihm meine Papiere und meinte ich hätte das Okay zur Nacht hier. Er schaute nach und meinte dann, es wäre okay. Jetzt zitterte er wieder los und ich legte mich erneut hin. Kaum die Decke übergeworfen, klopfte es erneut. Ob Säufer, Junkie oder Crackbruder, mit dem Typen stimmte was nicht. Jetzt holte der mich ernsthaft aus dem Bett, um zwei Meter vorzufahren! Okay, ruhig bleiben… Also Auto an, vorrollen, Auto aus, schlafen legen…

Es klopfte wieder. Dieses mal stand ein älterer Herr in Boxershorts und Barfuß an der Tür. Dem Dialekt nach ein Engländer, der gerade des Hofes verwiesen wurde und sich bei mir ausheulte. Naja, ausheulte, er fluchte wie wild…! Ich nickte verständnisvoll und dann zog auch er ab. Es war wohl das zweite Mal, dass er hier von dem Secu-Männchen verscheucht wurde und dass schmeckte ihm nicht. Also dieses Mal und beim letzten Mal als er hier war, nicht zwei Mal in einer Nacht. Dann ging er wieder auf den Mann in Uniform los. My lovely Mr. singing Club, da ging es zur Sache. Fast wären noch die Fäuste geflogen, aber da ich kein Blut sehen kann… Schloss ich erst die Vorhänge und dann die Augen… Kurz darauf hörte ich wie der Engländer mit aufheulendem Motor das Gelände verließ.

Am nächsten Morgen erwacht, stieg ich aus dem Auto und sah „The green mile“. Alles voll mit Midland-Trucks, soweit das Auge zu so früher Stunde reichte… Ich meldete mich an und man machte mich tatsächlich leer. Dann durfte ich wieder in den Hafen nach Eddystone, PA und von dort aus ging es dann weiter nach Milford, PA. Hier faxte ich meine Papiere zum Broker und gönnte mir noch eine Dusche, bevor ich über 1000 Islands und die beeindruckenden Brücken, die USA verließ. In Napanee, ON fuhr ich noch einmal zur Flying J raus um einem lieben Menschen einen Gefallen zu tun. Nach einigen Mails und Telefonaten ist nun sicher, Jürgen wird zurück kommen! Am 06.04. landet er in Canada und dann geht’s wieder los. Birgitt und Bobby werden später nachkommen aber er ich spreche im Namen der Firma wenn ich sage, wir freuen uns. Okay, alle außer Richard wahrscheinlich, denn dann ist wieder einer mehr in der Firma, der ihm erzählt, was an seinem Truck kaputt ist… Das mag er nämlich nicht, schließlich ist er der ungelernte Obermechaniker mit Durchblick… Wie auch immer, ich beantrage schon mal die Flying J Karte für ihn.

Anschließend ging es nach Ajax, ON zum Ausladen. Das war eine Strapaze und schlafarme Nacht in dieser Saubude aber auch das habe ich geschafft. Somit konnte ich am nächsten Tag weiterfahren nach Cambridge, ON, wo ich eigentlich neu laden sollte. Als ich da so vor mich hin wartete bekam ich einen anderen Auftrag und der führte mich erst nach Woodstock, ON zum Laden. Dann ging es weiter nach Waterloo, ON zur zweiten Ladestelle. Hier saß ein Klaus im Büro und ich sagte auf Deutsch, „Klaus mit K, klingt sehr Deutsch.“ Er sah mich an und antwortete ebenfalls auf Deutsch. Ich war seit Januar 2009 hier und er seit 1958. Er hat seine Entscheidung nie bereut, arbeitet in der Firma hier seit 28 Jahren, hat eine Canadische Frau und ist glücklich. Er liebt Tarantinofilme, findet die Amis „stumpf“, wie jeder hier und wohnte vor langer Zeit in Würzburg. Außerdem „bemängelt“ er, dass die Canadier beim Zählen mit dem Zeigefinger als „eins“ beginnen“, wo wie Deutschen den Daumen nehmen. Das musste ich dann seiner Frau noch einmal bestätigen und sie fand es merkwürdig. Aber es stimmt und ich finde mit dem Daumen zählen viel besser. Wenn man in Deutschland „eins“ hat, dann ist Daumen hoch ein positives Zeichen. Wenn man hier „eins“ hat, ist der Zeigefinger oben und dass ist doch eher das gute, alte „DuDu“, was hast Du angestellt…

Nach diesem Erlebnis ging es dann noch nach Trenton, ON zu meiner letzten Ladestelle und dann ab nach Boucherville, QC, zum Ausladen.

Samstag, 27. Februar 2010

Eine ganze Menge...

Da ich mich schon lange nicht mehr gemeldet habe, hier mal ein paar Gründe. Da zur Zeit, im Grunde seit Beginn des Jahres etwas Stress ist, komme ich nicht zum Feinschliff, also nehmt es einfach wie es ist..., oder lasst es. Viel Spaß beim Lesen und bitte, wenn ich mehr Zeit habe... Also dann...

Ach ja, falls es mal nicht ganz zusammen passen sollte oder etwas gequält klingt müsst ihr bedenken, ich habe das alles neben dem Erleben aufgeschrieben und mir nicht auf dem Sofa ausdenken können.

So, nun aber...

Ausweise und Peggys Cove

Am heutigen Montag ging es früh aus dem Bett. Es lagen zwei spannende Tage vor uns. Wir wollten / mussten nach Fredericton, NB und Halifax, NS, für Eriks Ausweise. Außerdem lag um die Ecke von Halifax, NS „Peggys Cove“ und dem Namen nach gab es in diesem Ort den Nebel des Grauens…! Also machten wir uns fertig für die Reise und Mama packte mächtig Futter ein. Anschließend schlossen wir die Türen und machten uns auf unseren langen Weg.

Der erste Stop war relativ schnell erreicht. Die Innenstadt von Fredericton, NB, der Hauptstadt der Provinz New Brunswick. Hier sollten wir nach Vorlage zweier Bilder von Erik, der Abgabe unserer Unterschrift und dem vom Anwalt und Notar beglaubigtem Schreiben, dass uns jemand kennt, den Ausweis gleich auf die Hand bekommen – den Canadischen. Also voller Erwartung suchten wir erstmal einen Parkplatz. Nach einer Umrundung des Gebäudes in das wir mussten einigten wir uns auf das Parkhaus. Rein ging ganz einfach und ohne dass man direkt an einer Schranke ein Ticket lösen müsste oder so. Es standen nur überall Schilder, dass man das doch bitte im Erdgeschoss tun solle. Also suchten wir uns eine Parkbucht und ließen den Wagen stehen. Dann machten wir uns auf den Weg den Automaten zu suchen. Im Erdgeschoss angekommen stand dort ein einsamer, kleiner Kasten und daneben ein Mensch in Uniform. „Hi, how are you?“ „Thanks and also?“ „Not to bad…“ „Ticket?“ „Yes.“ Also ich muss hier noch einmal anmerken, dass ich diese Art der Konversation am Anfang mehr als merkwürdig fand, mittlerweile aber sehr begrüße.

In Deutschland geht man entweder mit gesengtem Haupt aneinander vorbei, als würde man sich schämen überhaupt aufgestanden zu sein oder wenn mal was kommt dann ein „Hi“ oder „Hallo“ und dann schnell weg… Hier lädt jede Begegnung zu einem Pläuschen ein. Ich meine 99% der Menschen denen man hier unbekannt über den Weg läuft, beim Einkaufen wie beim Tanken, fragen nach dem Befinden. Habe ich anfänglich behauptet, es würde sie wahrscheinlich nicht wirklich kümmern, muss man das ganze hier erleben und verstehen lernen. Diese einfache Abwandlung des Umgangs, diese einfache Frage verändert jede Begegnung.

Situation 1:

Samstagmorgen 09.00 Uhr, Winter, kalt, Sonnenschein, Aldiparkplatz Deutschland. Okay, vielleicht nicht das beste Beispiel aber… Günal kommt mit zwei Taschen aus dem Laden, Herbert will sich gerade den Fußball-Wochenendvorrat Bier kaufen. Man würdigt sich keines Blickes…

Situation 2:

Selbe Zeit, selbe Situation, die Blicke treffen sich, weil Herbert vergessen hat sich zu schämen… Herbert denkt: „Oh man, Scheiße…, was nun?“ und sagt den Blick schon wieder abwendend: „Hi“. Dieses aber nur, weil er glaubt im selben Block wie Günal zu wohnen und das Gesicht von daher zu kennen. Günal denkt: „Oh, kennst Du?“, sagt ebenfalls: „Hi“ und geht zu seinem Auto…

Situation 3:

Wieder selbe Situation, etc. aber nun treffen sich die Blicke und Herbert sagt im Vorbeigehen: „Wie geht`s?“ und Günal sagt: „Danke gut und selbst?“ „Och“, sagt Herbert, „es ist zwar kalt aber die Sonne scheint…“ Das ist schon mal ein Anfang. „Sag mal, wohnst Du nicht auch in der … und siehe da, vielleicht hat Herbert Günal noch die Tür aufgehalten, da er ja beide Hände voll hatte oder sie haben sich das Fußballspiel gemeinsam angesehen oder sie sind einfach beide ihren Weg gegangen und freuten sich über einen kleinen Schnack am Morgen…

So ist es hier, ob man sich kennt oder nicht. Wenn man einsam ist, geht man einfach zum nächsten Supermarkt und…

Naja, aber wir waren nicht im Supermarkt, sondern in einem Parkhaus und waren halt genau in dieser Situation. Ein „wie geht`s“ und schon wurde uns das System erklärt und geholfen das Geld in den Automaten zu stopfen. „Beim Ausweis abholen solltet ihr lieber zwei Stunden einplanen, denn es dauert erfahrungsgemäß länger. Gerade mit dem Kleinen und den Kindern wäre es dann ja eher unpraktisch, wenn einer noch wieder los müsste zum Nachlösen…“ Tja, ein kleiner Schnack und ein hilfreicher Rat. Also lösten wir für zwei Stunden und ich machte mich noch weiter schlau, wie das hier im Parkhaus funktionierte. Man musste bei dem Automaten einfach die Nummer seiner Parkbucht eingeben und dann die entsprechende Stundenzahl. Anschließend wurde im Voraus bezahlt und fertig. In der Gebühr war übrigens eine halbe Stunde Kulanz enthalten. Dieser nette Herr hatte nun neben Neukundenaufklärung die Aufgabe, in regelmäßigen Abständen durch das Parkhaus zu wandern und dort die Parkbuchten zu kontrollieren. Stichprobenartig gab er dabei die Nummern in einen kleinen Hightechkasten ein oder vielleicht checkte er auch alle und konnte darüber feststellen, ob für diesen Parkplatz bezahlt war oder nicht. Auch auf diese Art kann man übrigens Service und Arbeitsplätze schaffen…! War bezahlt war gut, war nicht gab es ein Ticket.

Also gingen wir nun mit der Quittung des Automaten in das Gebäude rüber und fuhren mit dem Aufzug zur Ausweisabteilung. Eine große, schwere, zweiflügelige Holztür lag vor uns. Dahinter ein kleiner Schalter auf der rechten Seite, an dem man sich „anmeldete“. Also man sagte den Grund seines Besuches und bekam dort dann eine Nummer ausgehändigt. Mit dieser konnte man dann auf den im weiteren Verlauf des Raumes rechts aufgestellten Stühlen Platz nehmen, bis die Nummer dran war. Auf der linken Seite des Raumes waren 4 Schalter, von denen nur einer mit einem Stuhl bestückt war und hier wurde nach Nummern, die über den Schaltern aufblinkten alles abgefertigt, was sich vorne angemeldet hatte. Ich finde es sehr faszinierend, wofür hier alles Menschen beschäftigt werden… Deutschland hat Ticketautomaten in den Parkhäusern und Nummern die man selber ziehen kann. Hier ist vieles, auch wenn es manchmal nach ABM riecht, etwas persönlicher (wer weiß wie lange noch…).

Wir saßen also da und warteten bis unsere Nummer dran war. Glücklicher Weise hatten wir den Schalter mit Sitzplatz bekommen. Sogleich stritten sich die Kinder um diesen, bevor Papa das Wort an sich und Mama Platz nahm. Die Dame guckte die Papiere durch und würdigte dem beglaubigten Stück Papier keinen Blick. Dann fragte sie: „… kennt sie also schon zwei Jahre?“ und ich schaute ein wenig verwundert. Da hatten wir doch glatt noch den Namen von der Person, die wir ausgetauscht hatten, weil wir ja andere brauchten etc… Ich bleibe hier in der Erklärung mal etwas allgemein um nichts zu verraten. Ich nickte zustimmend und damit war alles gegessen. Jetzt checkte sie noch die Bilder und siehe da, sie waren nicht gut genug. Eriks rechts Ohr war nicht richtig zu sehen und er hatte einen Schatten auf der Stirn… Ich fragte mich wer hier wohl einen Schatten hatte! Es handelte sich hierbei schließlich um einen Pass für einen Säugling, mit Gültigkeit bis zum 6. Lebensjahr. Aber ob ihr es glaubt oder nicht, die bürokratische Keule haut hier manches Mal schlimmer zu als in Deutschland und somit blieb uns nur eines. Wir erkundigten uns wo der nächste Fotograph war und verließen das Zimmer wieder.

Etwas zerknirscht wanderten wir die Straße runter zu einem Fotoladen. Hier ging es dann in die nächste Runde und jeder der schon einmal versucht hat sein Kind in einer bestimmten Position abzulichten weiß, was der arme Kerl da jetzt leistete. Dann bat er uns 15 Minuten zu warten, bis die Bilder ausgedruckt waren. Wir gingen in der Zwischenzeit zum Auto und Sandra stillte Erik, während ich mich wiederum auf den Weg zum Fotoladen machte. Hier bekam ich nun zwei Passbilder, die nur schlappe 25$ kosteten! Ja nix mit mal eben zu Ihr Platz und ne 4er-Belichtung für 7,95…, oder war es doch mehr?

Wie auch immer, der kleine Mann sah mehr als unglücklich aus und egal was passiert, dieser Ausweis wird aufbewahrt. Er ist einer dieser Dinge, die man den Kindern dann in mitten alle Freunde am 18. Geburtstag unter die Nase reibt… „Ach weißt Du noch, damals…“ Ich ging also zurück zum Auto und als Sandra fertig war machten wir uns wieder auf den Weg in das Büro. Dieses Mal bekamen wir jedoch keine Nummer, sondern die Aufforderung einen Raum weiter zu gehen. Hier konnten wir dann eine Nummer ziehen und uns hinsetzten. Irgendwann kam ein junger Mann herein, mit offener Hose und einem genauso offenen Mund und rief eine Nummer nach der anderen auf, bis wir dran waren.

Jetzt gingen wir wieder in den „Schalterraum“ und bekamen dort erneut eine Nummer… Also wer meint es geht nicht umständlich, der muss mal hier her kommen. Vornummer, Nachnummer, und warten. Dann konnten wir endlich wieder an den Schalter und gaben die Fotos ab. Da die ersten bereits vom Anwalt/Notar beglaubigt waren, denn es hätte ja sein können, dass das Kind auf unserem Arm ein anderes als auf den Bildern war…??? ging es weiter. Jaja, hier ist alles noch etwas komplizierter. Man muss zum Anwalt gehen und sich die Bilder beglaubigen lassen. Außerdem muss man ja noch die Leute haben, die einen kennen und am Ende interessiert es dann doch wieder keinen – ABM halt – Ausländer Bewegungs Maßnahme. Wer was will soll nicht die Hand auf halten, sondern etwas dafür tun um zu beweisen, dass es ihm ernst ist! Tja, zu guter Letzt wurde uns dann noch mitgeteilt, dass der Ausweis zugeschickt wird… Hier weiß irgendwie keiner, was wirklich los ist…

Um diese Erfahrung reicher gingen wir zurück zum Auto. Wir hatten alles in allem etwas über die zwei Stunden gebraucht, die uns der nette Mann prophezeit hatte, Erfahrung halt. Um nicht zu glauben Ferien zu machen ging es gleich weiter Richtung Moncton, NB. Hier kehrten wir dann allesamt bei den Schweizern ein, die uns freundlich empfingen. Marcel hatte die Führerscheinprüfung natürlich bestanden, was auch sonst! Glückwunsch noch mal…!

Nach einem kurzen aber angenehmen Besuch machten wir uns auf die weitere Reise. Irgendwo zwischen hier und da kehrten wir noch beim großen „M“ ein und kamen dann nach Halifax, NS. Hier suchten wir uns ein kleines Motel um zu übernachten. Es war wie in einem Film. Lange Gebäude mit mehreren Zimmern nebeneinander. Während Sandra im Wagen wartete ging ich rein um uns anzumelden. 81$ für eine Übernachtung mit fünf Personen, da kann man nicht meckern. Zwei große Doppelbetten standen in dem Raum und die nette Dame vom Empfang brachte uns sogar noch ein Kinderreisebett für Erik. Okay, das wirklich quitschgelbe Badezimmer war etwas gewöhnungsbedürftig, aber da wollten wir uns ja auch nicht zu lange drin aufhalten. Badewanne und TV waren inkl. und es wurden sogar noch extra Decke und Bettlaken für den kleinen Mann gebracht. Also einen solchen Service für den Preis, super! Dann gingen die Kinder in ein Bett, wir in das andere und Erik bekam seinen Sonderplatz. Das Auto vor der Tür und erschöpft von dem Tag machen wir uns lang.

Am nächsten Morgen machten wir uns frisch und fuhren erstmal zu „Tim“. Hier frühstückten wir gemeinsam und es hatte fast etwas von Urlaub. Anschließend ging es weiter zum Deutschen Konsulat. Hier parkten wir erneut in einem Parkhaus, bei dem man dieses Mal jedoch nicht im Voraus bezahlen musste. Dann ging es in den einen der zwei großen Türme und mit dem Fahrstuhl aufwärts. In der richtigen Etage angekommen wurden wir von zwei Sekretärinnen freundlich empfangen. Wir wurden zu zwei großen Ledersofas geführt und konnten dort Platz nehmen. Ich bekam einen Kaffee und dann warteten wir auf den wichtigen Menschen. Eine andere Sekretärin kam und bat uns ihr zu folgen. Im Gänsemarsch ging es durch Flure, an von Stellwänden getrennten Arbeitsplätzen vorbei, in einen kleinen Raum. Es war gerade genug Platz um einen Tisch und drei Stühle darin unterzubringen. Naja und vielleicht noch ein wenig mehr. Ein großes Schild mit dem Bundesadler ließ ganz klar erkennen, auf wessen Hoheitsgebiet wir uns hier gerade befanden – etwa 6 qm Deutschland.

Dann kam ein lustiges Kerlchen rein. Er erinnerte ein bisschen an den Hausmeister aus den alten Paukerfilmen mit Pepe, allerdings mit Bauch. Er gab den Kindern vom Regal zwei alte Spielautos um sie zu beschäftigen und begann uns in gebrochenem Deutsch ein paar Fragen zu stellen. Dann kam die Sekretärin um ihm zu erklären was er tun solle und kurze Zeit später hatten wir es dann. Hier hatte Erik seinen Deutschen Pass gleich erhalten. Amelie und Leonie bekamen noch eine Deutschlandfahne aus Papier und das war’s. Aber nicht wirklich…

Da ich hier ja schon einige Male abgeladen hatte, also in der Gegend, war mir Peggys Cove bekannt. Ich bin mit dem Truck nie hingefahren aber mit dem Auto wollte ich so nah dran nicht vorbeiziehen. Irgendwie verband ich mit dem Namen den Film „Fog- Nebel des Grauens“, von dem es übrigens ein super schlechtes Remake gibt! Wie auch immer, von den Sekretärinnen bekamen wir zwei Marken für unseren Parkschein, eine für jede Stunde und gingen zurück zum Auto. Bei der Ausfahrt aus dem Parkhaus gaben wir diesen Parkschein nun wieder bei einem Menschen ab und machten uns auf den Weg. Vorbei an kleinen Häusern und durch urige Fischerdörfer fuhren wir dort hin, wo der Nebel so grausam sein soll. Um es nicht zu langweilig oder langatmig zu machen, fasse ich mich nun „kurz“:

Das Dorf wurde von drei Fischerfamilien gegründet und erhielt seinen Namen nicht nach der Dorfschönheit. Er leitet sich ab von dem hier vorhandenen Gestein ab. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte es seine Blütezeit und es lebten ganze 130 Menschen hier. Dann ging es wieder bergab und heute haben ganze 45 Menschen hier ihren dauerhaften Wohnsitz. Durch die Lage verschwindet dieses Dorf häufig im Nebel und die Küste ist steinig und gefährlich. Dennoch lag die Drehkulisse für den Film „Nebel des Grauens“ in Carlifornien und nicht hier. Trotzdem ist es eine von der Film und Fernseh- / Werbeindustrie häufig genutzte location.

Leider war der Leuchtturm, der auf einer Klippe über dem Meer steht im letzten Jahr von einer Welle getroffen worden und ist seit dem für Besucher gesperrt. Auch das eigentlich darin enthaltene Postamt wurde verlegt, bis es ausreichend Gelder gibt ihn zu renovieren. Wir machten einen Spaziergang über die Felsen und beobachteten das Meer, das hier sehr bedrohlich wirkt. Dann gingen wir noch einmal durchs Dorf, was ungefähr 5 Minuten dauert. Kleine Fischerschuppen, eine Kirche und ein Bed and Breakfast gibt es hier. Anschließend kehrten wir noch in das Restaurant mit Souvenirshop ein. Hier unterhielten wir uns noch in heimischer Atmosphäre mit einem Einwohner und er erzählte uns noch ein wenig über die Geschichte, den Tourismus und den Leuchtturm. Dann saßen wir da und schauten in die Wellen, während wir aßen. Ich muss sagen, ich habe bis lang keinen schöner Flecken Erde gesehen als diesen kleinen Ort. Wenn es etwas wie ein Paradies auf Erden gibt, dann wird es genau hier sein!

Gestärkt und die Lungen voller frischer Seeluftmachten wir uns mit einsetzender Dunkelheit auf den Heimweg. Nach wenigen Kilometern erblickte ich noch einen Hinweis auf eine „Sehenswürdigkeit“. Ich machte noch einen Abstecher auf den Parkplatz, verzichtete jedoch auf den Fußmarsch, denn für Fotos und auch Spaziergänge war es langsam zu dunkel. Hier steht also noch ein Denkmal für die 229 Passagiere des Swiss Air Fluges 111, die bei dem Absturz ca. 8 Kilometer hier vor der Küste am 02.09.1998 ums Leben kamen.

Knappe 1250 Kilometer später (Gesamtstrecke der letzten zwei Tage) fuhren wir das Auto in die Garage und fielen, nachdem das Auto leer und die Kinder versorgt waren, hundsmüde ins Bett.

Stay and play…

Da noch keine Ladung bereitstand, hatte ich am nächsten Tag Zeit, mich mal wieder um irgendwas zu kümmern. Wir machten Besorgungen, führten ein paar Telefonate und bekamen noch Besuch. Alles in allem war es mal ein halbwegs ruhiger Tag, der mit einem ebenfalls ruhigen Abend endete. Tags darauf ging es runter nach Wood-Ridge, NJ. Kein langer Trip aber besser als gar nichts. Leider habe ich dann in der Nacht die richtige Einfahrt nicht gefunden und bin noch ein wenig durch die Stadt geeiert. Hierbei musste ich unter anderem einen Hügel rauf und hatte dann von dort aus einen atemberaubenden Blick über Manhattan bei Nacht! Das diese Straße für Trucks verboten war konnte ich nicht riechen und auch die zwei Streifenwagen am Fahrbahnrand schienen angesichts der späten Stunde ein Auge zuzudrücken. Durch kleine Gassen zwängte ich mich wieder auf den Hauptweg und erreichte irgendwann Opa, der mir nun Hilfsstellung gab. Okay, wer kann auch schon ahnen, dass man links abbiegen muss um hinter eine Häuserreihe zu kommen, die rechts liegt. Egal, der Blick war es wert und wenig später stand ich dann ja auch beim Kunden. Hier drückte ich den Trailer in eine Ecke und machte die Gardinen zu.

Nach dem Ausladen am nächsten Morgen ging es weiter nach Philadelphia, PA, wo ich meine Rückladung für Cambridge, ON bekam. Da alles recht zügig ging, hatte ich die Möglichkeit schon früh beim Empfänger zu sein. Ich sendete also an die Firma, dass ich heute Nacht schon ausladen könne und es sehr freundlich sei, wenn sie mal anfragen würden, ob die Möglichkeit bestünde. Die Antwort vom Dispatcher war, dass er dort angerufen habe und mein Termin morgen 14.00 Uhr sei. Somit blieb mir nur der Weg zum Truck stop in Grimsby, ON und Feierabend. Statt um 22.00 Uhr beim Kunden zu sein machte ich es mir halt hier bequem.

Am nächsten Morgen wusste ich vor Langerweile nichts mit mir anzufangen und da ich das Ladekabel für den Laptop zu hause vergessen hatte (hier also die Stelle, an der ich etwas blöd war), fuhr ich trotzdem früher zum Kunden. Hier erzählte man mir dann, dass es gar kein Problem gewesen wäre in der Nacht zu kommen. Sie hätten mich dann nach den für diesen Tag angemeldeten Trucks entladen und ich wäre am Morgen „good to go“ gewesen. Okay, da es jetzt dauern würde, schrieb ich der Firma ein paar „nette“ Zeilen und wartete… Dann kam eine Message mit folgendem Text: „Hier Deine Rückladung, damit Du Deinen Tag planen kannst.“ Die darauf folgende Nachricht war die Load offer die besagte, ich solle morgen bei dem Kunden wo ich jetzt stehe auch zurück laden. Super, da konnte ich ja planen! Also wartete ich bis ca. 16.00 Uhr und konnte an eine Tür zum entladen. Gegen 20.00 Uhr waren sie hier fertig und ich durfte noch an die Rückseite des Gebäudes um die letzten drei Paletten abzuladen. Anschließend stellte ich den Trailer auf dem Hof ab und fuhr mit dem Truck vom Gelände. Eine Seitenstraße weiter, wo es ruhiger war, machte ich die Gardinen zu und schlief.

Eigentlich sollte mein Trailer morgens geladen sein aber wie es so ist… Also ging ich mal ins Versandbüro. Hier erklärte man mir, dass es bis jetzt nicht ging aber bis heute Abend um 19.00 Uhr sei er garantiert beladen. Da ich mit meiner Zeit nun nicht mehr viel anzufangen wusste, fuhr ich zu einem wal-mart um mich mal schlau zu gucken, ob es hier Ladekabel gab. In einem store hatte ich bereits nachgefragt, aber da fingen die bei 99$ an und soviel wollte ich für meine Vergesslichkeit nun auch nicht ausgeben. Also schaute ich und schaute und in mir wuchs ein Gedanke… Also kaufte ich zwei DVDs und einen kleinen Fernseher. Mit diesem machte ich mich zurück zum Versender und schaute mir beide Filme zwei Mal an. Dann war es 18.30 Uhr und ein Mensch kam an meinen Truck um mir mitzuteilen, dass sie keine Ladung für mich hätten. Aber ich solle mal zur Bude x fahren, da würde man schon auf mich warten… Also alles wieder eingepackt und los. Auf dem Weg zu meiner Ladung, wenn es sie denn dort gäbe, bekam ich eine Anfrage der Firma, ob ich nun beladen sei. Also irgendwie scheint hier keiner irgendetwas zu wissen. Also ran zum Kunden, der mir erzählte, dass die Ladung schon seit der letzten Nacht auf einen Fahrer wartete. Jetzt platzte mir der Kragen. Ich ging ans Telefon und faltete den Dispatcher auf Millimetergröße zusammen. Dann legte ich auf, sendete nach nicht einmal 30 Minuten Ladezeit meine Geladenmessage und dann ab dafür. Das gibt ein Gespräch…

Abends noch bis Napanee, ON gekommen, fuhr ich am nächsten Tag durch zur Firma. Die Anfrage, ob ich die Tour durchfahre quittierte ich mit einem „nein“. Erst wollte ich mich mal mit ein paar Leuten über dieses Wochenende unterhalten. Ich möchte keinen für dieses Durcheinander verantwortlich machen, aber mit insgesamt 47 Stunden Standzeit, die nicht hätten sein müssen, wollte ich auch nicht der Leidtragende sein. Somit stellte ich den Trailer am Hof ab, und fuhr erstmal nach Hause. Am nächsten Morgen, als die Kinder in der Schule waren, machte ich mich mit dem Truck auf den Weg zur Firma um mit dem Vize zu sprechen. Ergiebiges Gespräch kann ich nur sagen und wir waren uns einig, dass der Wurm irgendwo steckte aber nicht genau lokalisiert werden konnte. Er wollte es prüfen und mich dann wissen lassen, wie ich mein Wochenende vergütet bekommen sollte. Ich bin gespannt…

Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Familie, Einkaufen, Erledigungen und… - mit dem Internetmann. Heute kam nämlich nicht nur der Brief mit Eriks Canadischem Ausweis, sondern auch der Mann, der uns nun auf Funk umstellen wollte. Es dauerte seine Zeit aber dann hatten wir wieder Internet und dieses arbeitete nun merklich schneller. Ich hoffe es bleibt so! Außerdem baute ich nun bei Michaels Auto den Tank aus. Junge, Junge, das war ein „Dampfbad“… Dann telefoniere ich ein wenig herum und hatte bald ein gutes Angebot für einen günstigen gebrauchten. Außerdem hatte ich auch nach der Seitenscheibe gefragt und diese sollte ich ebenfalls bekommen. Obwohl der gebraucht erstandene Tank fast neu aussah grundierte ich ihn mit Rostumwandler und verpasste ihm anschließend eine Schicht Unterbodenschutz. Dann baute ich am nächsten Tag den Tank aus und um und siehe da, während dessen fiel auch noch der halbe Endtopf ab. Wie mit einem Schweißgerät getrennt, viel die hinter Hälfte zu Boden. Okay, dafür hatte ich jetzt wirklich keine Zeit mehr…

Ich wusste ich sollte heute Abend wieder raus nach Florida und da war erstmal wichtig, dass der Wagen seinen Tank zurück bekam. Den halben Endtopf legte ich in den Kofferraum und teilte Andrea mit, dass wenn die Polizei sie stoppen sollte, sie einfach nur sagen müsse, er wäre gerade eben abgefallen. Dann packte ich auch schon wieder meine Sachen und machte mich auf den Weg zur Firma. Nebenbei stellte ich noch fest, dass die Tankuhr beim Umbau ausgeharkt war und nun nicht arbeitete. Da müssen die beiden jetzt ein wenig aufpassen, bis ich zurück bin. Nun aber auf, mit dem Spo(r)ttauto zum Hof.

Sunshine

Mein Trailer stand beladen da und als ich ihn anschloss, stellte sich heraus, dass die vorderen Begrenzungsleuchten nicht arbeiteten. Also ein Telefonat und kurze Zeit später kam Tom, der nicht sehr glücklich über die späte Störung war, auf den Hof. Gemeinsam tauschten wir die Leuchten aus und dann konnte es wieder losgehen.
Am nächsten Tag fuhr ich bis Carmel Church, VA und dann weiter nach East Palatka, FL, wo mein Kunde sein sollte. Um mich nicht zu stressen blieb ich direkt davor auf einem Truck stop stehen, um den unbekannten Kunden am nächsten Tag anzufahren. Das war eine gute Idee, denn in der Frühe drehte ich in einen Feldweg und kam ca. 400 Meter später vor einem Haus zum Stehen. Hier stieg ich aus und versuchte irgendjemanden zu finden, des dass das hier richtig war konnte ich mir nicht ganz vorstellen. Während ich hinter dem Haus nachsah stellte vorne jemand meinen Reefer aus. Der nette Herr erklärte mir dann, dass er zwar der Empfänger sei, die Farm aber auf der anderen Straßenseite lag. Außerdem müsse ich noch wiegen fahren, denn er wollte das Gewicht hier noch einmal kontrolliert haben. Somit durfte ich zum Frühstück den ganzen Weg rückwärts fahren und dann zur Waage. Ich hatte mir sowas schon gedacht, als ich gestern beschloss nicht gleich durchzufahren.

Nach dem Wiegen fuhr ich nun zur Farm und wurde entladen. Anschließend noch einmal über die Waage und dann zum ausblasen. Die Kartoffel wurden wieder lose geladen und da das auf Sägespänen passiert, müssen diese hinterher irgendwo ausgeblasen oder ausgewaschen werden. Ich fuhr also zu der mir bekannten Bude und ließ den Trailer reinigen. Dann sollte ich weiter in den Süden fahren um dort in South Bay, FL zu laden. Der Ladetermin war erst für Morgen aber ich wollte es trotzdem probieren, denn es war noch früh. In South Bay, FL konnte ich den richtigen Kunden erst nicht finden und probierte es dann mit der Zufahrt zu einem großen Gebäudekomplex. Das dieses keine gute Idee war erkannt ich, als mir das Tor mit dem Stacheldraht und der bewaffnete Wachposten verdeutlichten, dass es sich hier nicht um eine Firma, sondern um eine Strafanstalt handelte. Also drehte ich um und fuhr zurück zur Hauptstraße.

Dort hielt ich dann neben zwei Polizeiwagen und erkundigte mich nach der Adresse. Sie Officer erklärten mir den Weg und kurz darauf stand ich beim Kunden. Mittlerweile war es 27°C warm und ich brutzelte in meiner Kabine. Zu meinem Glück hatten sie sich bereit erklärt mich heute noch zu laden und damit konnte ich mich darauf freuen, der Hitze heute noch wieder ein wenig zu entfahren. Als alles erledigt war machte ich mich wieder auf die Reise und machte eine weitere positive Erfahrung. Ich donnerte so die 45 Milen-Zone mit 60mph lang, als am linken Fahrbahnrand in der Ferne „Blaulichter“ aufflackerten. Erst einmal, dann noch einmal. Ein einfacher und freundlicher Hinweis darauf, dass ich zu schnell unterwegs war. Ich bremste runter, bedankte mich bei den Jungs und fuhr meinen Weg. Hier geht es nicht darum die Trucker auszunehmen, sondern die Ordnung zu erhalten. Wer nicht zu grob handelt, bekommt einen Hinweis und wenn er darauf reagiert, ist alles vergessen. Was das angeht, ist es hier wirklich ein Paradies für Brummikutscher! Mein Weg führte mich dann weiter bis Brunswick, GA und dort blieb ich für die Nacht stehen.

Am nächsten Tag ging es weiter gen Norden und in Carmel Church, VA traf ich mich noch mit Opa zum Essen. Er fuhr nach Süden und ich in den Norden. Ein paar Stunden Schlaf später machte ich mich auf den Weg nach New York und hatte dort die nächste beeindruckende Erfahrung. Im Bereich NYC(ity) gibt es zwei Geschwindigkeitsbegrenzungen, 55mph für Cars und 50mph für Trucks. Das interessante ist, wer sich daran hält ist selber Schuld und zieht sich den Zorn aller anderen Verkehrsteilnehmer auf sich und ich meine aller! Die rechte Spur ist hauptsächlich für die, die die Interstate in die Stadt verlassen oder aus ihr auf die Interstate wollen. Die mittlere Spur ist die, auf der die Trucks rollen, da sie links nicht fahren dürfen und die linke oder auch alle nutzen die Teilnehmer, die noch schneller vorankommen wollen und in einem Auto sitzen. Ich hing also nun mit 60mph hinter einem Pkw, der bei erlaubter Truckgeschwindigkeit von 50mph, die mittlere Spur „blockierte“. Als ich versuchte rechts vorbei zu kommen, fuhren gerade wieder Autos aus und ich musste abbremsen. Links dran vorbei? Nee, das hatte ich schon einmal und da wurde ich rausgezogen zu einer mündlichen Verwarnung.

Also fuhr ich wieder hinter diesem Schleicher und gerade in dem Moment, wo ich wieder rechts rüber zog um mein Glück erneut zu versuchen, heulte neben mir ein Motor auf. Der Auspuff schepperte als würde er unter der Last der ihm gerade zugeführten Abgasmenge in die Knie gehen und mit einem Satz schoss ein dunkelgrüner Dodge quer an meiner Schnauze und dem Hintern des Vordermannes vorbei durch die sich ihm bietenden Lücke. Er setzte sich vor den „Schleicher“ und gab ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er entweder Gas geben oder rechts rüber fahren solle, denn er störe…!!! Die verschiedenen Blinklichter und vielen Antennen auf dem Dach enttarnten den Donnervogel als zivilen Cop und da seht ihr - 50, 55, 60mph…, wie gesagt, der Verkehr soll rollen! Dann dröhnte es noch einmal und der Dodge war wie eine Katze mit einem Satz nach vorne gesprungen, drehte in der Ausfahrt und stellte sich wieder in Lauerposition. Der Typ rollte rechts rüber und endlich hatte ich wieder freie Fahrt. Ja, selbst Laserpistolen werden hier runtergenommen, wenn ein Truck vorbeikommt… Es ist hier schwer sich als Trucker mit den Cops anzulegen, denn anders als in Deutschland die Cops und BAG sind sie hier nicht unterwegs um uns mit irgendeinem Scheiß den Tag zu versauen, sondern um uns zu unterstützen, unseren Job zu machen, ebenso wie die DOT.

Nein, dass war jetzt unfair und bevor ich den letzten Satz lösche möchte ich ihn nutzen um mal etwas klar zu stellen! Nämlich, das es sich bei der eben getätigten Aussage um eine allgemeine Meinung handelt, die ich nicht unbedingt teile. Ich denke, die Polizei macht in Deutschland einen sehr guten Job!!! Hier ist alles anders und von daher ist auch das Miteinander ein anderes. Hier gehen die Trucks alle 10.000 Kilometer in die Inspection und die Firma ist mit für den Zustand verantwortlich. Außerdem gibt es hier die Waagen, an denen in regelmäßigen Abstanden die Gewichte kontrolliert werden. Zudem wird hier auch der Zustand der Fahrzeuge im Vorbeifahren begutachtet und zwischendurch finden hier, wie auch in Deutschland, großangelegte Fahrzeugüberprüfungen statt. Hauptunterschiede sind folgende:


1. Das Logbuch

Es besteht aus zwei Teilen, nämlich dem mit dem Pre-trip und dem mit dem Fahrtenbuch. Hier trägt der Fahrer eigenverantwortlich seine Stand-, Ruhe-, Arbeits- und Fahrtzeit ein. Dieses wird bei einer Kontrolle gerne mal angesehen aber wenn es einen ordentlichen Eindruck macht, ist es okay. Da wird nichts einbehalten, eingeschickt, mit dem Millimetermaß kontrolliert oder sonstwas. Nur die Tagesarbeitszeiten der vergangenen Tage werden abgeschrieben und per PC erfasst. Kam es mir am Anfang befremdlich vor, möchte ich es jetzt nicht mehr missen. Wie gesagt, die Fahrtzeit darf auch hier nicht überschritten werden, ebenso wenig wie die Arbeitszeit und auch die Ruhezeit von 10 Stunden muss eingehalten und dokumentiert werden. Aber wenn man mal 10 Minuten überschreitet oder um 3 Uhr getankt hat aber 3 Uhr 15 einträgt, wird einem der Kopf nicht abgerissen. In Deutschland bin ich mal angehalten worden und man hat meine neue Fahrerkarte ausgelesen. Es ist lange her und ich will jetzt nicht lügen, ob die letzten 21 oder 28 Tage ausgelesen werden. Wie auch immer bekam ich dann irgendwann ein „Buch“! Ich weiß nicht mehr wie viele Vergehen dort angeprangert wurden. Hier habe ich an einem Berg mal nicht aufgepasst und bin mit 92 km/h, länger als 10 Sekunden gerollt – Ticket. Da habe ich 5! Minuten zu wenig gestanden und hier bin ich 7 Minuten zu lange gefahren – Ticket - Ticket! Diese Korinthenkackerei sollte mich eine Menge Geld kosten. Nach einigen Telefonaten hatte das Amt dann netter Weise Einsicht und die „Strafe“ wurde auf, ich glaube 180 Euro gesenkt. Tut einem Fahrer in Deutschland aber schon mächtig genug weh! Das war auch die Aussage des Bearbeiters, ich müsse ja wenigstens spüren, dass ich etwas falsch gemacht habe…

Das tat ich und ich spürte noch etwas, eine Ablehnung gegen das System, die Deutschen Behörden und den Job als Fahrer in Deutschland!

Fährst Du hier 10 Minuten länger, weil Du keinen Parkplatz findest (Deutschlands größtes Problem) schreibst Du die zehn Minuten nicht mit rein und es fragt auch keiner. Ein Kollege hier in Canada ist über eine Stunde über seine Fahrtzeit gewesen, als er bei einer Waage sein Log book vorzeigen musste. Was ist passiert? Er hatte einen Termin und es waren nur noch weitere 20 Minuten. Da haben ihn die Officer ermahnt er solle da aber dann auch wirklich seine 10 Stunden Pause machen, gaben ihm sein Log book wieder und wünschten eine gute Fahrt! So kann man zusammen arbeiten!!! Gut, das ist ein extremes Beispiel was auch hier anders hätte ausgehen können. Was ich sagen will ist, schafft diese elektronische Kontrolle in Deutschland ab! Gebt den Fahrern ihr Leben wieder und lasst sie verdammt noch einmal ihren Job machen!!!

Außerdem darf man hier z.B. seine Fahrtzeit um 2 Stunden verlängern, wenn man schlechte Witterungsbedingungen, Stau oder ähnliches hat. Wenn in Deutschland die Zeit um ist, ist sie um. Ein Polizist sagte mir mal, wenn ich es nicht pünktlich zu einem Parkplatz schaffe, müsse ich halt vor meinem Schichtende auf einen Parkplatz fahren. Bei den Terminen, den Verkehrsbedingungen und der zur Verfügung stehenden Fahrtzeit ist es aber schon Zwang, seine Schichtzeit voll auszufahren. Ganz zu schweigen von dem Druck der Unternehmen selbst, die aber wiederum unter Druck stehen.

Um dem ganzen jetzt aber auch hier einen bitteren Beigeschmack zu verpassen noch folgendes. Die DOT, vergleichbar mit der BAG kommt hier in regelmäßigen Abständen in die Firmen und kontrolliert die Logbücher verschiedener Fahrer. Hierbei wird geschaut, ob Deine Fahrtzeiten in Ordnung sind und ob die Geschwindigkeit eingehalten wurde. Dazu wird einfach geschaut, wie weit liegen die eingetragenen Ort von z.B. Beladung und Pause auseinander und wie viel Zeit hat er dafür benötigt. Dann wird ein Schnitt gezogen und liegt dieser im Bereich des Möglichen ist alles in Ordnung. Manchmal ist hier schon Schluss der Kontrolle. Weiter können dann die Tankzeiten überprüft werden und die Grenzübertritte. Sind sie auch in Ordnung, ist die hier spätestens Schluss. Wie gesagt wird dabei aber nicht genau auf die Minute geschaut.

Verursachst Du einen Unfall oder das ganze Buch ergibt keinen Sinn, können auf richterliche Anordnung auch noch die Nachrichten, von geladen und entladen, Ankunft beim Versender und Abfahrt, etc. abgerufen werden, ebenso die Ausdrucke des elektronischen Kastens in der Windschutzscheibe, mit dem man die Bezahlhighways und Brücken zahlt. Alles in allem kann Deine Strecke fast auf die Minute genau nachvollzogen werden. Aber in der Regel will das keiner und wie erwähnt, kommt es nur zum Tragen, wenn Du richtig Bockmist baust! Die DOT kann bis zu 5 Jahre rückwirkend alles kontrollieren und wer immer ganz böse war, kann dann auch für diese Zeit ein Ticket bekommen. Dieses wird dann in Größenordnungen sein, dass der Ausländer wieder nach Hause fliegt und der Einheimische dafür arbeitet, bis er tot umfällt. Also lassen beide Seiten etwas Spielraum. Der Fahrer bleibt möglichst sauber, bis auf ein paar Kleinigkeiten und dafür schaut die DOT nicht zu genau hin. Leben und leben lassen!


2. Der Pre-trip

Jeder Fahrer muss! vor der Abfahrt, sprich vor Schichtbeginn seinen Zug, also Zugmaschine und Trailer kontrollieren. Wird der Trailer getauscht muss auch der neue Trailer wieder kontrolliert werden und all dieses dokumentiert der Fahrer im Log book. Es gibt einen genauen Ablauf was kontrolliert werden muss und glaubt mir, es ist wirklich alles! Am Ende unterschreibt der Fahrer! für den ordnungsgemäßen Zustand seines Zuges. Sollte jetzt aus irgendwelchen Gründen etwas passieren, wird als erstes mal der in die Mangel genommen, der die Kontrolle durchgeführt hat. Genau wie mit der Luftfederung bei mir. Okay, ich konnte den Officer davon überzeugen, dass das Ventil eingefroren war und den Fehler beheben. Genau genommen habe ich aber bei meinem Pre-trip geschlampt und hätte dafür einen auf den Deckel kriegen können. Ebenso wie damals mit dem Schnee auf dem Dach vom Trailer. Da die Firma keine Möglichkeit hat zig Kilometer vom Hof entfernt die Arbeit des Fahrers zu checken, ist es in seiner Hand. Der Vorteil ist einfach, hier würden nie solche osteuropäischen Zeitbomben rollen! Erstens werden hier die Firmen überprüft, von den Kunden. Wer keine schönen Autos und Trailer fährt, bekommt weniger Punkte. Wer wenig Punkte hat, bekommt weniger Aufträge. Ihr seht, alles wird kontrolliert und gecheckt und die Daten werden für alles verwendet. Pünktlichkeit, Fahrzeuge, Benehmen… Danach werden hier die Firmen bewertet und demnach bekommen sie auch die Milen bezahlt und ihre Aufträge. Es würde sich hier keine Firma erlauben mit lebensbedrohlichen Trucks zu fahren, denn sie würden einfach gar keine Aufträge bekommen. Und da sind sich beide Seiten wieder einig, denn nicht der Billigste bekommt hier die Touren, sondern der Sicherste und Beste! Der Auftraggeber weiß, die Ware kommt mit sauberen, sicheren Trucks pünktlich an und er Fahrer sprich seine Sprache und versteht ihn. Im Gegenzug dafür weiß der Unternehmer, wenn er eben dafür sorgt, dass es so ist, bekommt er auch die Aufträge sich eben solches Material leisten zu können. Ebenso kann er solche Fahrer so bezahlen, dass sie ihren Job entsprechend machen. Denkt mal darüber nach, da drüben!


3. Die Waagen

Anders als die in Deutschland hier und da mal aufgebauten Waagen der BAG, gibt es hier feste Waage, die jeder kennt und die man auch nicht einfach so umfahren kann. Hier werden die Gewichte gemessen und hier und da wird man auch mal mit den Papieren nach drinnen gebeten. Fahrzeugschein von Truck und Trailer, Versicherung, Ladepapiere und das Log book halt. Wenn man ganz viel Pech hat machen sie auch einen Truckcheck. Der kann von einer groben Durchsicht bis zu einer Kontrolle bis in die letzte Schaube alles bedeuten. Einmal im Jahr gibt es sogar eine ganze Woche, in der wird alles was kreucht und fleucht untersucht. Diese Woche wird vorher bekannt gegeben und da muss natürlich alles 200%ig sein. Ansonsten ist es eher ruhig und wenn die Gewichte in Ordnung sind, wird man in der Regel auch fahren gelassen. Aber wie bereits erwähnt wird beim Vorbeirollen auch ein Blick auf die Trucks geworfen. Auch aus diesem Grunde haben es die Ordnungshüter hier nicht so schwer wie in Deutschland. Da die Strafen empfindlich sind achtet hier jeder auf sein Gewicht und es gibt eine Menge Waagen an den Truck stops und bei vielen Kunden. Kontrolle ist alles und wenn es nicht passt, ist der Fahrer der Dumme.

Diese drei Punkte geben machen einen riesigen Unterschied aus, denn es ist in der Verantwortung des Fahrers dafür zu sorgen, dass alles in Ordnung ist. Dafür bekommt er von den Firmen aber alle Unterstützung und somit kann sich die Polizei hier um andere Dinge kümmern als um rollende Zeitbomben. Die gibt es hier nämlich nicht wirklich… Unterm Strich ist dann aber doch alles wieder gleich, denn wer sich in Deutschland an die Gesetzte und Fahrzeiten etc. hält, hat auch da keinen Stress, wobei es einem wie gesagt nicht immer so gelingt. Und wenn die Behörden die Fahrerkarte wieder einstampfen würden und den Fahrer seinen Job machen ließen, wäre doch alles wieder etwas besser!

Auf alle Fälle fuhr ich dann mit einer Übernachtung in Kittery, ME zurück zum Hof, nahm mir Michaels Auto, packte meine Sachen um und fuhr nach Hause.


Nach dem Frühstück machte ich mich über Michaels Auto her. Hierzu heizte ich die Werkstatt so gut es ging und bockte den Wagen auf. Dann richtete ich schon einmal die zwei 500 Watt Scheinwerfer auf den Bereich, in den ich später die neue Scheibe einsetzten wollte. Aus dem Rettungsdienst weiß ich: Wenn man im Winter eine eingeklemmte Person hat ist das „einfachste“, wenn die Feuerwehr ihre großen Scheinwerfer im Bereich der Person aufbaut. Hierrüber wird soviel Hitze abgegeben, dass es zumindest für einen gewissen Wärmeerhalt bei der verletzten Person sorgt. Also was für den Menschen gut ist, kann für ein Auto nicht schlecht sein und somit nutze ich dieses Wissen um das Blech zu erwärmen. Dann baute ich den Tank aus und machte mich zur Abwechslung wieder an die Scheibe. Ich entfernte die alten Gummirest und reinigte den Bereich des Bleches wo die Scheibe eingeklebt werden sollte. Dann musste ich die halbe Innenverkleidung ausbauen um überhaupt arbeiten zu können. Anschließend klebte ich die Scheibe ein und machte mich daran die Tankanzeige in Ordnung zu bringen. Als diese dann funktionierte baute ich alles wieder an und ließ die Scheibe noch weiter unter dem Einfluss der Scheinwerfer trocknen. Nach dem Abendbrot und einem ruhigen Abend packte ich meine Sachen und fuhr mit dem Wagen zurück zur Firma, wo ich mich in meinen Truck legte. Morgen wollte ich früh los und was soll ich da den Rest der Familie wecken…

Wieder nach Westen…

Als der Wecker mich um 04.30 Uhr aus dem Bett holte brauchte ich erstmal meine Zeit um klar zu kommen. Dann schmiss ich den Truck an, holte mir noch einen Kaffee aus dem Keller und machte mich auf den Weg nach Moncton, NB. In Salisbury, NB stoppte ich noch mal eben bei um den Thron aufzusuchen und dann ab zum Kunden. Dort gab es gleich ein Türchen und sie hatten mich auch recht schnell leer. Noch während des Entladens sende ich die Frage nach einer Ladung in die Firma und bekam sogar eine Antwort: „Ich habe hier eine Portage la Prairie, MB liegen, Interesse?“ „Klar.“ Pieps und ich wusste dass ich heute noch laden würde und dann gen Westen fahre. So könnte es immer sein, lange Touren und schnelle Ladungen. Also legte ich nach dem ich die Papiere bekommen hatte den Gang ein und fuhr nach Woodstock, NB zu unserer Waschhalle. Truck und Trailer waschen und den Trailer von innen auswaschen. Das war natürlich was, was mich freute, denn ich konnte mir das Ausfegen sparen. Anschließend juckelte ich weiter nach Grand Falls, NB um bei Pommeskönig zu laden. Rums bums, rein in die Bude, ran ans Tor, Pizza bis zum Ende laden und dann auf den Truck stop. Zum Fahren hatte ich heute kein Bock mehr, denn ich war ja früh aufgestanden und somit erlaubte ich es mir mich hier und heute um gerade mal 18.00 Uhr abzustellen. Naja, ich hatte ja auch 3 Fahrtage Zeit um mal gerade 3000 Kilometer abzureißen, was sollte ich also hetzen.

Am nächsten Tag fuhr ich bis North Bay, ON, sind knappe 1000 Kilometer. Dann mal über die 11, da ich die 17 schon kannte nach Nipigon, ON, ebenfalls knappe 1000 Kilometer und am letzten Tag dann weiter nach Winnipeg, MB, wo ich auf der Flying J nächtigte. Ich hatte mal wieder Glück, denn in Ontario hatte die Petro dieser Tage wieder den (okay zweit) günstigsten Sprit und das bedeutete saubere Duschen und gratis Kaffee. Ebenso wie auf der Flying J nach dem Tanken. Ach ja, ich musste in Dryden, ON noch einmal 120 Liter zwischenbefüllen, sonst hätte es nicht nach Manitoba gereicht, das war aber alles. Den letzten Tag war etwas Schneefall auf der Strecke aber nichts Beängstigendes. Die Flying J steckte etwas im Schnee, sodass ich beim Einparken trotz Gewichtes auf den Achsen ein wenig schlitterte, aber ansonsten… Da es jetzt etwas mehr schneite und ich nicht sicher war, wie die Wege zum Kunden waren, wollte ich lieber auf den nächsten Tag warten. Vielleicht viel ja über Nacht der Schnee in Kübeln vom Himmel, wie Washington, DC, Delaware und die umliegenden Staaten mit 80cm – 1m Neuschnee über Nacht gerade bewiesen haben. Nichts ist hier unmöglich.

Aber als der Wecker klingelte war zwar alles weiß, aber nicht übermäßig. Somit drehte ich vom Truck stop auf den Highway und versuchte meinen Kunden zu finden. Eigentlich war dieses wieder einer der Tage, die man besser im Bett verbringt…, warum? Okay, der Kunde hat mehrere Zufahrtsmöglichkeiten, wenn man sie kennt. Ich war erst einmal hier, dachte aber ich würde Bescheid wissen. Also ließ ich die erste mir bekannte rechts liegen und wollte es durch den Ort versuchen. Hätteste mal…

Ich wusste nicht mehr welche Straße die richtige war und somit folgte ich mal der, die für Trucks ausgewiesen war. Als ich auf Schnee um die Kurve rutschte und am Ende dieser Straße die Brücke sah war mir klar, dass dieses nicht die beste Entscheidung war! Kurz vor der Brücke kam dann natürlich noch ein viel zu großes Stopschild und das bedeutete Herzklabastern. Umdrehen ging nicht, also musste ich darüber. Mit durchdrehenden Reifen versuche ich auf Geschwindigkeit zu kommen, was angesichts der kurzen Strecke bis zum Anstieg schon ein Witz für sich war. Dreh, dreh, bettel, bettel… Untertourig zitternd zog sich der Truck die Steigung hoch und das sogar ohne den Gripp zu verlieren. Am Scheitelpunkt konnte ich einmal tief durchatmen und dann ging es auf der anderen Seite den eisigen Abstieg hinunter. Als mein Truck unten am Ende der Brücke mit Schwung und Frontschürze die erste Schneewehe auf der geraden Straße in alle Winde verbließ, kam ein tiefer Seufzer – geschafft!

Jetzt ging es erstmal geradeaus. Zeitweise den Schnee vor mich herschiebend fuhr ich nun aus der Stadt - heraus…? Rechts sah ich das große Gebäude zu dem ich musste und vor mir war nichts außer weißer Straße. Eines war klar, hier war ich auch nicht richtig. Somit blieb mir nur eine Möglichkeit zum Wenden zu suchen. Die Navigationstante meinte ich solle mal 12 Kilometer weiter fahren und dann wenden aber das wollte ich ja gar nicht. Dann kam rechts ein Gelände auf dem ein Trailer stand und ich war mir sicher, wo ein Trailer stehen kann, kann man auch wenden. Somit drehte ich auf das Gelände und merkte, wie der Truck in den hier aufgetürmten Schneemassen kämpfte. Ich will nicht übertreiben aber 60 cm sind noch gelinde ausgedrückt. Der Truck drang tiefer ein und um schlimmeres zu verhindern versuchte ich es jetzt mit einer Drehung. In Gedanken war ich schon bei verschiedenen Telefonaten. Firma, Abschleppdienst, Seelsorger…!

Ich schaltete die Differenzialsperre ein und begann ein stilles Gebet. Langsam schoben sich die Pferde unter der Haube ihren Weg frei. Jetzt nur nicht durchdrehen… - weder der Truck, noch ich… Langsam, ganz langsam raus hier…! Kurz darauf drehte ich das feuchte und fast verbogene Lenkrad wieder Richtung Stadt und rollte zurück. Wieder am Ortseingang gab ich Gas und schaffte die Brücke ohne Stress. Direkt dahinter bog ich nun links ab um an den Bahnschienen entlang mein Glück zu versuchen. Jetzt war ich wieder in meiner kleinen, heilen Welt. Der Schnee flog links und rechts der Schürze auf und eine weiße Wolke verkündete aller, hier komme ich. Okay, die paar höheren Schneehaufen vergessen wir mal und die zweieinhalb Rutschpartien, weil der Schnee zu tief war, auch. Aber auch wenn der Truck manchmal ganz schön abgebremst wurde, er bewegte sich. Wenig später konnte ich links auf die mir bekannte Zufahrt zum Firmengelände abbiegen und war da.

Während ich entladen wurde kam ein weiterer Truck unserer Firma angefahren und siehe da, der Michael war’s. Wir setzten uns in einen Truck und schnackten. Während er dann dran war stellte sich heraus, dass wir beide die selbe Ladestelle und Abladestelle haben werden, was uns natürlich veranlasste, zusammen zu fahren. Somit machten wir uns bald darauf auf den Weg zur Flying J um uns zu reinigen und dann weiter über Winnipeg, MB rein nach North Dakota. An der Grenze wurde ich gestoppt und man bat mich kurz rein zu kommen, um mein I-94 zu erneuern. Dass es abgelaufen war hatte ich ja ganz vergessen. Also stellte ich meinen Truck ab und ging ins Gebäude. Hier bat man mich dann in ein Hinterzimmer, wo man mich bat meine Kappe abzunehmen, die Taschen zu leeren, etc. Die Einmalhandschuhe auf der Ablage machten mich etwas nervös, aber so weit kam es dann doch nicht. Anschließend musste ich den Leuten meinen Schlüssel aushändigen und sie baten mich wieder Platz zu nehmen. Kurz darauf kamen sie zurück, gaben mir meinen Schlüssel wieder, tackerten das neue I-94 in den Ausweis und belehrten mich. Da ich mein abgelaufenes I-94 bei der letzten Ausreise aus den USA nicht abgegeben hatte, galt ich als mich illegal in den Staaten aufhaltend. Ich solle das beim nächsten Mal nicht vergessen und gute Reise.

Zurück in meinem Truck musste ich erstmal aufräumen, weil diese Sausäcke mit ihren Schneematschstiefel quer durch meine „Wohnung“ gelatscht waren. Dann wollte ich weiterfahren, wurde aber erneut gestoppt. Hatte der Officer in seiner Karre mein nettes Winken jetzt als Angriff auf seine Würde gewertet oder was? Wie angestochen war er aus seinem Auto gesprungen und hatte „Stop“ gerufen. Zum Glück hatte er mich nicht gleich abgeknallt, sondern fragte nur nach einem weißen Stück Papier. Wollte er mir eine Nachricht aufschreiben? Seine Telefonnummer?

Wie sich heraus stellte war dieses hier eine Ausbildungseinheit und da musste alles nach Vorschrift laufen, also so: Ans Fenster fahren, Papiere rein reichen, Papiere und einen Zettel entgegen nehmen. Dann weiter zum Röntgen und dort den erhaltenen Zettel abgeben. Dann einen neuen Zettel bekommen und diesen dem Menschen, der nun neben meinen Truck stand geben um passieren zu dürfen. Meine Prozedur war halt anders. Ran ans Fenster, Papiere zurück und Zettel bekommen, quer durchs X-Ray, was der Röntgenofficer schon nicht lustig fand. Dann rein ins Gebäude und die I-94-Geschichte zu klären. Anschließend ohne Zettel und Quittung einfach nur sehen, dass ich hier weg kam. Tja und so stand ich nun da. Aber eine kurze Rückversicherung über Funk beruhigte den Held der Arbeit und somit ließ er mich dann passieren – puuh. Jetzt konnten Michael und ich unsere Reise fortsetzten.

Alles was ich über die USA zu wissen glaubte, schwand. Ich habe immer im Kopf, das die USA nur aus Staaten besteht, in denen die Sonne scheint. Keine Ahnung warum aber es ist irgendwie so. Okay, nicht überall, aber mit North Carolina hätte ich jetzt nicht unbedingt einen Schneesturm verbunden oder mit South Carolina Eisregen. Ebenso wenig, wie ich Schnee und Eis in North Dakota vermutet hätte. Naja, da ich vor kurzem von einer Canadierin gebeichtet bekam, dass sie durch den Unterricht ihres Sohnes nun im zarten Alter von 30 mitbekommen hat, dass Mexico zu Nordamerika gehört, muss ich mir als Europäer über meine Bildungslücke keine Gedanken machen. Wir fuhren also bei recht eisigen Temperaturen durch „blowing snow“ die Interstate runter. Die Heimtücke an dem „blowing snow“ ist, dass es sich hierbei um gefrorenen Schnee handelt, der über die Straße geweht wird. Durch den Verkehr wird dieser nun nach und nach auf der Straße festgefahren und bildet eine dünne aber sehr glatte Eisschicht, die auch nicht unbedingt wahr zu nehmen ist. Das sogenannte schwarze Eis ist eines der gefährlichsten. Wir reduzierten also ein wenig unsere Geschwindigkeit, da wir zu allem Überfluss auch noch leer waren, was bedeutete, dass wir auch ohne Gewicht auf unserer Antriebsachse fuhren.

Um dem Ganzen zu entgehen entschied ich mich den Weg nicht ausschließlich über die Interstate zu fahren, sondern einen kleinen Highway zu nehmen. Wo weniger Verkehr ist, kann weniger festgefahren werden. In der Ausfahrt musterte ich die Straße und bog nach einem kurzen Zögern rechts ab. Jetzt drückte der Wind ganz gewaltig von der Seite und ich musste mich fragen ob es die beste Entscheidung des Tages war. Über CB meldete sich Michael und strich mir für den Abend die Sandmännchenfolge. Bei der nächsten Kreuzung an der wir abbiegen mussten lag etwas mehr Schnee und hier wurde mir dann auch per Funk das Abendbrot gestrichen. Zwei Kreuzungen weiter knisterte es aus dem CB: „Komm Du mir nach Hause!“ und ich glaube ich bin nur knapp der Kündigung der Freundschaft entgangen! Nichts desto trotz kamen wir gut voran und dass hinter der einen Hügelkuppe die ganze Straße im Schnee versunken war, konnte ich schließlich nicht ahnen…
Am Abend standen wir dann 3 Kilometer (laut Navi) von unserem Kunden entfernt auf einem kleinen Truck stop und machten Pause, bis zum Wecker klingeln. Naja, eigentlich war ich schon eher wach, denn Michael startete immer wieder seinen Truck, ließ ihn ein paar Minuten laufen und machte ihn wieder aus. Das wiederholte er ziemlich oft, bis ich mich aus dem Bett quälte. Es stellte sich heraus, dass der Truck ansprang und dann von sich aus wieder ausging. Hmm, was war da los? Nach einigen weiteren Versuchen bemerkten wir die grüne Pfütze unter dem Truck – Kühlflüssigkeit. Also in der Firma angerufen und hin und her. Lange Rede wenig Sinn. Wir füllten Kühlmittel auf und versuchten erstmal unser Glück. Leider war der Kunde nicht da wo ihn das Navi vermutete und wir machten eine Extrarunde. Nach einem Besuch in einer Tankstelle fanden wir dann aber unseren Kunden und drückte unsere Trailer an die Türen. Anschließend rief ich wieder in der Firma. Erst sollte ich beide Trailer laden und Michael auf dem Truck stop lassen, dann sollte ich jetzt laden und Michael vorerst zurück lassen.

Das Lecken hatte aufgehört und auch wenn es derzeit nicht genau zu lokalisieren war, es sollte zu schaffen sein. Ich meldete dem Dispatch, dass wir beide laden werden und die Ladungen auch abliefern. „Wir stehen und fallen gemeinsam – keiner bleibt zurück“, so meine Worte. Nach Rücksprache mit der Werkstatt bekamen wir das „OK“ zu fahren, zumindest bis zur nächsten Werkstatt. Nachdem ich mit Freigtliner telefoniert hatte war klar, die nächste Werkstatt war 160 Kilometer entfernt. Aber was sollte es, wir hatten einen Auftrag und die Wagen waren beladen. Somit fuhren wir bis zu der Ausfahrt wo der Dealer sein sollte und machten erstmal einen Abstecher zum Truck stop. Hier füllten wir noch einmal Kühlmittel auf und ich telefonierte noch mit der Werkstatt. Da es sich offensichtlich, da der Truck nun nicht mehr kleckerte, um ein Kaltwasserleck handelte (der Klassiker - Wasserpumpe), sollte wir fahren. Und aus Kostengründen wurde auf einen Check beim Händler verzichtet. Als fuhren wir so los und kamen von North Dakota nach Minnesota, wo wir in Duluth, MN pausierten.

Hier war am nächsten Morgen wieder eine Pfütze unter dem Wagen, aber das lag nun daran, dass Michael trotz gegenteiliger Aufforderung den Truck nachts Lieber aus ließ. Ist der Motor warm, kleckert es nicht, ist der Motor kalt, kleckert es aber die Luft wird nicht verpestet. Wie auch immer, wir füllten wieder Kühlmittel nach und fuhren durch Wisconsin und Michigan zurück nach Canada rein. Hier machten wir am nächsten Abend in Sault Saint Marie, ON Pause, da wir beide mit unseren Stunden ein wenig runter waren. Weiter ging es am nächsten Morgen, nach Wiederbefüllung des Kühlers nach Montreal, QC. Hier machten wir erneut Pause um dann am nächsten Morgen den Rest der Strecke hinter uns zu bringen.

Am nächsten Morgen hieß es wieder Nachfüllen und dann los. Kurz hinter Montreal, QC zog Michael an mir vorbei und sprach noch etwas in den Funk. Da ich mit Sandra telefonierte verstand ich nichts und sah Michael nur noch kleiner werden. Also nicht ihn, sondern seinen Truck. Ich fahre aus Spritspargründen in der Regel nur 98km/h und warum sollte ich jetzt hetzen? Was mit Michael los war verstand ich allerdings nicht. Waren wir die ganze Zeit zusammen gefahren, hatte ich hier und da auf ihn gewartet, ihm geholfen, ihm noch Brückengeld an der Grenze ausgelegt, etc., schien er jetzt von Sinnen. Ohne erkennbaren Grund drehte er auf und war weg. Ich war enttäuscht und sauer aber vielleicht gab es ja einen Grund…? Welchen? Keine Ahnung. Den weiteren Weg verbrachte ich damit mich zu ärgern und meinen Weg zu machen.

Zwei Pausen und etliche Kilometer weiter kam ich am Zielort Moncton, NB an. Es war gegen 21.00 Uhr und während mein Termin eigentlich morgen sein sollte, war von Michael, der heute dran war, keine Spur zu sehen. Ich stellte meinen Trailer ab und machte weitere Sachen. Was das heißt? Okay, die Firma hatte mich unterwegs gefragt, ob ich noch zwei Trailer von Oxford, NS nach Moncton, NB ziehen könnte. Während ich mich darauf freute schon meinen Plan für morgen zu haben, kamen zwei Nachrichten. Die erste: Stelle Deinen Trailer bitte beim Kunden zum Abladen ab. Fahre nach Oxford, NS, hole Trailer xxx, bringe den nach Moncton, NB. Dann zurück nach Oxford, NS und hole Trailer xxx. Anschließend hole Deinen Trailer ab, bringe ihn ebenfalls zum Drop Yard, nehme den einen der beiden geladenen Trailer aus Oxford, NS und komme damit zum Hof. Nachricht 2: Die Trailer müssen bis 5 Uhr morgen früh beim Kunden raus sein. Da ich ein guter Mensch bin…

Also nach Oxford, NS, Trailer eins nach Moncton, NB bringen. Meinen leeren Trailer holen (bin ja nicht ganz dumm) und zum Drop Yard bringen. Mal eben erkundigen ob schon ein anderer Fahrer unserer Firma da war? Nee. Anschließend wieder nach Oxford, NS und nun den Trailer holen, mit dem ich zum Hof soll. Damit konnte ich mir, im Gegensatz zum Vorschlag der Firma die Rücktour nach Moncton, NB heute Nachte schenken. Also blieb ich in Aulac, NB stehen und legte mich hin. Am nächsten Morgen sattelte ich die Hühner und fuhr zur Waschhalle nach Woodstock, NB, wo ich Truck und Trailer noch einmal durch schickte. Dann ging es nach Hause und auf dem Weg dorthin hatte ich schon wieder meine neue Ladung. Am Montag sollte es nach Drummond, NB zum Kartoffeln laden gehen und dann wieder nach Georgia. Ich teilte mit, dass ich am Montagmorgen noch einen Termin hatte aber das sollte kein Problem sein. Also dann…

South again…

Den Abend verbrachte ich im Rahmen der Familie und Sandra und ich schauten uns die Unterlagen für unseren PR-Antrag an. Ich muss überall arbeiten, Sandra ist weitestgehend zufrieden und die Kinder kommen gut zurecht. Manchmal vermissen sie die Omas und Opas aber ansonsten wollen sie hier bleiben. Somit sind wir uns einig, wir werden den Antrag auf dauerhaften Aufenthalt in Canada stellen. Damit sind noch einmal erhebliche Kosten verbunden aber im Grunde ist das Leben hier sehr angenehm und daher…

Natürlich ist es ein riesiger Schritt und niemand kann nun sagen, er wäre für immer aber wir planen vorerst so. Es ist merkwürdig, als würde man wirklich noch einmal bei Null anfangen. Es ist wie eine neue Geburt, denn kennen tust Du niemanden. Die Sprache ist fremd, die Produkte sind fremd und viele Gewohnheiten und das tägliche Leben. Es ist, als hättest Du auf Deiner Fernbedienung einen neuen Kanal gewählt und eines ist sicher. Selbst wenn uns irgendwann der Weg zurück führen sollte. Der Film auf dem anderen Kanal ist auch weiter gegangen. Wir fahren nun Dodge und nicht mehr VW. Das Haus ist aus Holz und Plastik und nicht mehr aus Stein. Alles ist mit Geschmacksverstärkern angerichtet, süß oder salzig und geheizt wird mit Holz. Die Ambulanzen und Polizeiwagen klingen wie die Karussells auf unseren Jahrmärkten und die Ampeln stehen auf der anderen Seite der Kreuzung doch es ist alles nichts, an dass man sich nicht gewöhnen kann. Das einzige was immer wieder schmerzt, ist der „Verlust“ der Freunde und Bekannte und vor allem der Abstand zur Familie.

Es ist leider so, dass die Zeit voran schreitet und wer weiß, eines Tages werden wir nicht mehr mit unseren Eltern telefonieren können. Das man sie bis dahin nur noch selten sehen wird, da der Weg zu weit und zu kostspielig ist, das ist das Härteste an dieser Entscheidung. Die Geschwister okay, die wird man lange haben und die Freund? Sind es nicht auch nur Lebensabschnittsgefährten? Die einen ja und die anderen wird man hin und wieder vielleicht besuchen oder es kommt mal einer her. Manchmal abends, in einem stillen Moment vor dem Einschlafen höre ich den einen oder anderen sagen, ich kenne da einen, der lebt jetzt in Canada…

Am nächsten Tag sind wir noch unterwegs gewesen. Unter anderem waren wir bei einem Schneeevent. In Hartland, NB haben sie den Sportplatz vereist und eine Schlittschuhbahn erreichtet und ein Hockeyfeld. Neben der Schwimmhalle war dann noch der Hügel mit einem Teil des verbliebenen Schnees präpariert und man hatte einen Stand mit Hot Dogs und heißer Schokolade errichtet. Alles umsonst, bzw. für eine Spende. Ich finde das ist eine tolle Idee und hier ist es etwas, was auch funktioniert. Auch wenn es zum Teil nervig ist, wird hier sehr viel auf Spendenbasis gemacht, gesponsert von den großen Firmen, einzelnen Personen oder Gruppen/Vereinen. Die gesammelten Gelder werden dann dem einen oder andern guten Zweck zugeführt. Hier hat man halt ein Auge aufeinander… Wenn ich draußen mit meiner beladenen Kiste für den Truck hinter unserem Auto stehe und versuche den Kofferraum mit der Kiste auf den Beinen zu öffnen, habe ich schon immer Sorge, dass ein Wagen anhält um zu helfen. Es ist wirklich irre, wie erwähnt ein Miteinander. Wenn man aus dem Truck stop geht ist es selbstverständlich, dass man sich umsieht und die Tür offenhält, für den der von vorne kommt oder hinter einem her. Eigentlich selbstverständlich werden diese guten Umgangsformen auf der anderen Seite des Teiches allzu häufig vergessen. Hier überkommt einen das schlechte Gewissen, wenn man in Gedanken die Tür mal zufallen lässt. Dann entschuldigt man sich und vielleicht hat schon wieder einen Meinungsaustausch übers Wetter…

Wie auch immer, die Kinder liefen Schlittschuh, Mama auch und Papa stand mit Erik da und schaute zu. Ein bisschen plaudern mit dem einen oder anderen Zaungast und dann wurde noch gerodelt. Anschließend gab es noch ein heißes Getränk und dann bin ich schon einmal mit Erik ins Auto, während Sandra die Mädels einsammelte. Den Rest des Tages verbrachten wir so lala und am Abend fielen die Kinder abgekämpft ins Bett.

Am nächsten Morgen sind wir dann runter nach Woodstock, NB zu unserem Termin und anschließend noch eben zum Einkaufen gefahren. Hier rief mich dann mein Dispatcher an um mir mitzuteilen, dass mein Trailer von einem anderen Fahrer beladen wird. Das klang gut und nahm uns etwas den Stress raus. Somit fuhren wir nach Hause, packten die Sachen aus und Sandra machte Essen. Dann rief die Firma an und meinte ich könne losfahren, der Trailer wäre nun auf dem Hof. Erik, der gerade eingeschlafen war wurde wieder geweckt und in seinen Schneeanzug gepfriemelt. Ein erneuter Anruf, der Trailer brauche noch einen Service und es wäre ausreichend, wenn ich in eineinhalb Stunden käme. Super, jetzt war der kleine Mann wieder wach. Kein fünfzehn Minuten später klingelte es erneut und man teilte mir mit, auf den Service würde verzichtet und ich könne doch los. Nun mussten wir jedoch auf die Rückkehr der Mädels warten und somit dauerte es doch etwas bevor wir loskamen. Bei der Firma abgesetzt klärte ich noch ein paar Sachen, krabbelte auf meinen Truck und pickte den Trailer auf. Beim Anschließen bemerkte ich dann, dass der Reefer aus war. Also wieder runter vom Truck und rein in die Werkstatt. Was folgte war ein Hin und Her, was darin endete, dass ich mit dem Zug in der Werkstatt stand und der Leiter einen Einlauf bekam. Außerdem fanden sie noch ein Loch in einem der Reifen und damit war weitere Standzeit angesagt. Als dann am Abend endlich alles fertig war fuhr ich los zum wiegen. Dieses hatte der Fahrer, der geladen hatte leider auch nicht gemacht.

Was soll ich euch erzählen. Als ich von der Waage in Woodstock, NB runter war stellte sich heraus, dass ich überladen war. Also noch einmal über die Waage, ein Telefonat mit dem Nachtdispatch und dann zurück zum Hof, wo ich dreißig Säcke Kartoffel wieder ablud und mit dem Stapler in die Waschhalle fuhr. Hier war geheizt und die Kartoffeln liefen nicht Gefahr, einen Frostschaden zu bekommen. Jetzt brauchte ich nur noch zehn Anläufe bis ich es mit dem Stapler die glatte Auffahrt zur Halle hoch schaffte und dann konnte es wieder losgehen. Ach ja, nach der Lektüre eines kleinen Heftes und einem anschließenden Quiz am Ende des Heftchens habe ich nun einen offiziellen Staplerschein! Stolzer, getesteter Staplerfahrer…!

Dann ging es wieder los nach Woodstock, NB, noch einmal über die Waage und dann endlich weiter Richtung Süden. An der Grenze kein Stress und weiter so weit es ging. Am nächsten Morgen eine Nachricht in die Firma, dass sie den Termin um einen Tag, nämlich den, den ich durch das ganze Gekasper verloren habe, verschieben mögen und dann weiter. Runter nach Carmel Church, VA. Hier nächtigte ich und brezelte dann durch nach Watkinsville, GA. Hier wurde ich am nächsten Tag termingemäß leer gemacht und hatte kurz darauf meine Rückladung. 650 Lehrkilometer weiter in Holly Ridge, North Carolina sollte ich für Quebec laden. Also fuhr ich wieder los und bekam meine load offer. Laden Morgenmittag und ausladen am Montag. Da werde ich noch mal nachfragen, denn da liegt mir zu viel Zeit zwischen. Aber jetzt fuhr ich erst mal zum Kunden und hoffte, dass ich dort über Nacht stehen konnte.

Ich konnte dort stehen und nächtigte relativ ruhig, direkt neben einer Airforce Base. Hier starteten und landeten die ganze Zeit Hubschrauber, aber das störte mich nicht. Um 07.30 Uhr klopfte jemand um mir zu sagen ich solle den Trailer schon einmal runter kühlen. Dann stand ich noch bis gegen 10.00 Uhr und konnte an eine Tür. Gute 3 Stunden später hatte man es geschafft mich zu laden und ich konnte abfahren. In der Zwischenzeit hatten mich mehrere Apache Kampfhubschrauber überflogen und auch einige dieser Hubschrauberflugzeuge. Keine Ahnung wie sie heißen aber die haben die Rotoren außen an den Tragflächen befestigt und können sie nach oben drehen (Hubschrauberbetrieb) oder nach vorne (Flugzeugbetrieb). Sehr interessant anzusehen aber leider zu schnell vorbei um sie zu fotografieren. Oder ich war zu langsam…

Auf meinem Weg gen Norden kam ich an verschiedenen Standorten Amerikanischer Streitkräfte vorbei. Einmal landeten direkt über meinen Truck hinweg einige Kampfjets. Die ganze Gegend hier schien nur aus Armee zu bestehen. Dann ging es aber weiter und weiter und nach einer „ruhigen“ Nacht in Mahwah, NJ fuhr ich durch bis Montreal, QC. Hier stellte ich mich auf die Flying J und machte mein 36 Stunden Reset. Am Sonntag brachte man mir noch einen anderen Trailer, da ich meinen nicht entladen, sondern die „Picktour“ fahren sollte und damit war die Woche um.